Kaum eine Literaturgattung für Jugendliche (und nicht nur die) hat ein derartiges Stehvermögen behauptet wie die Indianererzählung. Der Western und die Trivialformen der "action"-Literatur haben das Ihre dazu beigetragen, daß "Lederstrumpf", der erfundene "Winnetou", die realen und imaginären Helden der untergehenden roten Rasse mehr Präsenz behaupten konnten als aktuelle Heroen.

In Deutschland vor allem wurde das Karl-May-Phänomen zum Richtmaß abenteuerlicher Spannung, die man vornehmlich vom Indianerbuch erwartete. Für die Mehrzahl der Erwachsenen haben die Karl-May-Helden schon durch ihre erschlagenden Auflageziffern alle vorhergehenden und nachfolgenden Gestaltungen in den Schatten gedrängt; literarische, sprachgestaltende Kategorien der Wertung waren da meist nicht sonderlich gefragt, und so darf man froh darüber sein, daß auf dem Sektor besserer Indianerlektüre das Remake, die Bearbeitung und die Neufassung bewährten Erzählgutes dominieren.

Den Reigen der nie gestorbenen Wiedererweckungen muß natürlich James Fenimore Cooper anführen. Nach dem "Wildtöter" und "Der Letzte der Mohikaner" folgte –

James Fenimore Cooper: "Der Pfadfinder"; Herder Verlag, Freiburg; 184 S., 7,80 DM.

Angekündigt für das kommende Jahr sind jetzt bereits "Die Ansiedler" und "Die Prärie". Das diesjährige Mittelstück enthält alle Elemente der klassischen Indianererzählung: gefahrvoller Zug einer kleinen Gruppe durch feindliches Gebiet, Flucht, Kampf, Verfolgung, Tod und Triumph, Rettung, bis der neue Spannungsbogen mit abenteuerlicher Fahrt auf den Großen Seen ansetzt, weitere packende Szenen, die dem Helden "Lederstrumpf" und seinem roten Freund "Große Schlange" Beweise der Tapferkeit und kluger Überlegenheit abverlangen.

Im "Pfadfinder" schweigen die Gefühle nicht: Der weiße Heros im reifen Mannesalter verliebt sich in Mabel, Tochter des wackeren Haudegens Dunham. Doch sie neigt mehr dem jungen Jaspers zu. Die Dreieckskonstellation, angesiedelt im sentimentalischen Zeitalter, zwingt allen Betroffenen Tränen und hehre Gefühlsbekundungen ab. Herbert Lentz steuerte dazu und zu altfränkisch eingetönten Dialogen Holzschnitte bei, die zum Eindrucksvollsten der jüngsten Illustrationskunst gehören, klar und einprägsam in schwarzweißen Kontrasten, die Fabel, das indianische Element und die Weite der Landschaft, der Seen und Riesenwälder vortrefflich widerspiegelnd.

Fritz Steuben, der Cooper neu nacherzählte, durfte auch eine Renaissance seiner eigenen Indianergeschichten wiedererleben. Seinem voluminösen Sammelband "Tecumseh – Strahlender Stern", in dem 1965 die vier ersten Teile seiner weit gespannten geschichtlichen Darstellung vereint waren, folgt in diesem Jahr –