Ungefähr, wenn sie acht Jahre alt sind oder neun, werden aus Kindern Mädchen und Jungen (oder Buben oder Knaben). Es beginnt die offenbar schwierige Übung, jedem Geschlecht das vermeintlich Seine zu geben. Manchmal glaubt man, das Problem damit zu lösen, daß man darum Jungen mit Tatsachen (in jeder Form und jedem Genre), Mädchen hingegen mit Niedlichem versorgt. Daß das leider keine Lösung ist, zeigen

"Franckhs Großer Mädchenkalender 1967" und "Franckhs Großer Bubenkalender 1967"; Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart; je Woche ein Blatt, je 6,80 DM.

Warum es "große" Kalender sind, weiß ich nicht, denn es gibt größere und bessere. Vielleicht findet man eine Erklärung in der Liebe der Herausgeber zu Adjektiven. Die Belohnungen für das Preisausschreiben für Mädchen sind: schicke Qualitätsarmbanduhr, Mappe aus feinem Leder, praktische Tauchsieder, hübsche Kugelschreiber. Auf den Rückseiten der meist unerträglich süßen Photos stehen Rätsel, Basteleien und Geschichten unterschiedlicher Qualität, die über mehrere (Wochen-)Seiten fortgesetzt werden: Soll man stückchenweise lesen, oder das ganze erst 1968? Ein Kalender ohne Konzeption, mit der linken Hand gemacht.

Nicht zu begreifen, daß aus dem gleichen Verlag zwei ausgezeichnete Kalender kommen –

"Kosmos Taschenkalender" (für Jungen), zusammengestellt von Pit Franckh; 276 S.,

"Heute, morgen, übermorgen" (für Mädchen), zusammengestellt von Irmela Brender; 272 S.; beide in der Franckh’schen Verlagshandlung, Stuttgart; je 3,30 DM.

Zu ihren Vorzügen zählt, daß sie handlich sind, Wissen sehr geschickt vermitteln, unterhalten, anregen, ohne Pathos informieren und thematisch aktuell sind. Vieles wird gottlob Jungen wie Mädchen zugestanden, vor allem das, was man als Schüler braucht ("Immer diese Kommas", Naturwissenschaftliches, unregelmäßige Verben, griechische und lateinische Wortstämme im Deutschen, römische Zahlen). Dann schickt man die Jungen zum Basteln, Biwakieren, Zaubern, in Geschichte und Verkehr; den Mädchen wird erklärt, daß Lernen sich gerade für sie lohne, wie man mit Eltern diskutiert, dazu dann das, was unter den anscheinend unsterblichen Mädchen-Rubriken "Das eigene Reich" und "Du im Spiegel" schon immer zu finden war. In die gleiche Klasse der Qualität gehört der