Die Israelis haben zugeschlagen, mit unerwarteter Härte. Am Sonntagmorgen überquerte eine Brigade Infanterie, gedeckt von Panzern, Artillerie und Flugzeugen, die jordanische Grenze südlich des Berges Hebron am Toten Meer und sprengte mehrere Dörfer in die Luft. Vier Stunden lang herrschte Krieg im Nahen Osten. Der Angriff sollte elf Sabotageakte vergelten, die seit dem 11. Oktober von arabischen Kommandotrupps an der israelischen Grenze verübt wurden.

Die Situation erinnert an die Vorläufer der Suezkrise vor zehn Jahren. Auch damals wehrten sich die Israelis mit Vergeltungsschlägen gegen Überfälle arabischer Stoßtrupps. Damals schloß Nasser mit Syrien und Jordanien ein Militärbündnis (das ihm nachher nichts nützte), heute mit Syrien und dem Irak. Und wieder dampfte die 6. US-Flotte ins östliche Mittelmeer.

Diesmal prügelten die Israelis den Sack, obwohl sie den Esel meinten. Nicht Jordanien, sondern Syrien ist hauptverantwortlich für die Kommandotrupps, die nächtens Minen auf israelische Straßen legen. Aber König Hussein hat es bisher nicht gewagt, den El-Fatah-Terroristen den Durchmarsch durch sein Reich zu verbieten.

Israel wiederum mag zur Zeit einen Großangriff gegen Syrien nicht riskieren, da nicht abzusehen ist, wie sich die Sowjetunion, der neue Protektor des Militärregimes in Damaskus und Ägypten verhalten würde.

Auf Hilfe von draußen können die Israelis nicht bauen. Erst Anfang des Monats war ein Maßhalteappell an Syrien, den die Mehrheit im UN-Sicherheitsrat aussprechen wollte, durch so wjetisches Veto verhindert worden. So blieb der Regierung in Tel Aviv nur die Waffe der Abschreckung.

Die Gefahr eines allgemeinen Kriege ist geringer, als es auf den ersten Blick scheint. Jordanien, das mit Kairo und Damaskus zerstritten ist, hält von Agrarreformen mehr als von einem Vernich tungsfeldzug gegen den Zionismus. Und Nasser weiß seit Jahren, daß die Araber für einen "Heiligen Krieg" noch zu schwach sind. Darum, so hoffen die Israelis, werde er auch die jungen Hitzköpfe in Damaskus zu bremsen wissen.