Erst neuerdings beginnt die Goldmann-Linie zu flattern, aber das liegt wohl daran, daß sich auch bei Goldmann langsam Nachschubprobleme einstellen – es erscheinen acht Taschenkrimis und vier "Goldmanns Große Kriminalromane" im Monat – und dadurch manches in die Reihe gerät, was früher nicht hineingeraten wäre. Das ist für die Anhänger der Reihe, zu denen ich allerdings nicht gehöre, nicht immer erfreulich, denn verglichen mit dem vulgären Brett Halliday und den Schreibern seines Schlages, die jetzt leider häufiger auf den Rücken der roten Bändchen auftauchen, waren die Autoren der alten Goldmann-Garde wahre Meister ihres Fachs.

Gediegen-harmlos sind die meisten der schwarzen Kriminalromane des Scherz Verlages. Star im Hause ist Agatha Christie mit ihren überkonstruierten Krimi-Kreuzworträtseln, gefolgt von John Dickson Carr, der auch unter Carter Dickson schreibt und sich auf eine unheimliche Variante der traditionellen Detektivgeschichte spezialisiert hat, Mignon G. Eberhardt, Erle Stanley Gardner, Ellery Queen, Ursula Curtiss, Ngaio Marsh und Dorothy Sayers.

Einen entgegengesetzten Kurs steuert der Heyne Verlag: Hier gibt es vor allem die harten Sachen, zum Beispiel die berüchtigten Romane Mickey Spillanes "My Gun Is Quick" (Das Wespennest), "Vengeance Is Mine" (Späte Gäste) und "The Big Kill" (Die schwarzen Nächte von Manhattan) – inzwischen sieht es so aus, als sei Spillane eine ständige Ullstein-Einrichtung geworden, allerdings sind dort nur Romane neueren Datums erschienen, die genauso unerträglich sind wie die alten, aber noch öder; Lionel White ist mit etwa einem Dutzend Titeln vertreten, darunter so ausgezeichnete Thriller wie "The Killing" (Der Millionencoup), den Kubrick, und "Obsession" (Kein Weg zurück), den Godard verfilmt hat, dann William P. McGivern, sein bestes Buch ist wahrscheinlich "Odds Against Tomorrow" (Von Angst gepeitscht), außerdem gibt es bei Heyne Robert Bloch, John Trinian, einige gut zusammengestellte Story-Anthologien und die beiden erwähnten Romane von Fredric Brown. Und schließlich, nicht zu vergessen: Heyne hat den Taschen-Simenon von Kiepenheuer übernommen. Die Heyne-Reihe ist noch jung, aber sie ist auf dem besten Wege, einigen älteren den Rang abzulaufen.

Ein gemischtes Bild bieten die Mitternachtsbücher des Desch Verlages und die Signum Taschenbücher des Hauses Bertelsmann. Die Mitternachtsbücher begannen sehr vielversprechend, unter den ersten zehn Titeln waren zwei von Raymond Chandler, "Farewell, My Lovely" (Betrogen und gesühnt) und "Playback (Spiel im Dunkel), der letzte Roman Chandlers; wenig später erschienen zwei Romane von Stanley Ellin, die leider inzwischen vergriffen sind. Heute findet man unter den Mitternachtsbüchern vor allem Autoren wie Day Keene, Carter Brown, Peter Cheyney und Hillary Waugh und nur noch selten etwas so Gutes wie "Little Caesar" (Kleiner Caesar) oder "The Asphalt Jungle (Asphaltdschungel) von W. R. Burnett – was allerdings nicht nur am Verlag liegt.

Die Signum Taschenbücher sammeln ein, was übrig bleibt, jedenfalls gewinnt man diesen Eindruck, wenn man sich die Liste der Bertelsmann-Krimi-Autoren anschaut: Neben der Taschenbuch-Ausgabe von Conan Doyles "Der Hund von Baskerville" stehen Titel von Erle Stanley Gardner, Dorothy Sayers, Leslie Ford und Rex Stout, Peter Cheyney, Leslie Charteris und Brett Halliday, dessen Muskelmann Mike Shayne von allen Privatdetektiven, die ich kenne, die langweiligsten Dinger dreht.

Es fehlen noch zwei Reihen: die ambitionierteste und die beste, die rororo-thriller und die Ullstein-Kriminalromane.

Die rororo-Reihe bringt ausschließlich deutsche Erstausgaben, ein Prinzip, das sich keine andere Taschen-Reihe gesetzt hat, und auch nicht beliebige Autoren, sondern nur solche, die sich den psychologischen Aspekten des Verbrechens zuwenden. Das ist natürlich ein doppeltes Handikap, eine Spezialisierung, die sich möglicherweise nicht auszahlt. Hauptautoren der Reihe sind Patricia Highsmith, von ihr liegen sieben, und John Bingham, von ihm liegen vier Titel vor. Es folgen Judson Philips, ein mittelmäßiger, aber sehr produktiver Amerikaner, von dem in den Staaten schon ungefähr sechzig Bände erschienen sind, Henry Farrell, der sich fadenscheinige Seelen-Gruselstücke ausdenkt, Nicolas Freeling, der geschickt auf der Linie Simenons zu schreiben versteht, und Ross MacDonald, dessen Lew Archer einer der wenigen kalifornischen Privatdetektive ist, die an Sam Spade und Philip Marlowe beinahe heranreichen, sowie fünf Titel von Ed McBain, dem Erfinder des 87. Polizeireviers, der eigentlich bei Ullstein erscheint und wie Ross MacDonald, von dem einige Titel bei Scherz sind, im Grunde nicht 111 die rororo-Konzeption paßt. Außerdem sind noch ein paar verstaubte Größen wie Nicholas Blake und Margery Allingham vertreten, aber auch zahlreiche neue Namen – nicht nur aus dem angelsächsischen Sprachbereich, sondern auch aus Frankreich, Dänemark, der Bundesrepublik und sogar aus der Tschechoslowakei und aus Spanien.