N. G., Köln

Am Dienstag begann in Köln der "Klingelpütz"-Prozeß. Angeklagt sind ein Oberverwalter und ein Hauptwachtmeister wegen "Körperverletzung im Amt" in insgesamt 24 Fällen. Mit einem Geständnis der beiden Gefängnisbeamten wird das Gericht allerdings nicht rechnen können. Der Bund der Strafvollzugsbeamten stellte ihnen angesehene Verteidiger, die es nur ein Lächeln kosten wird, ihre Mandanten als die kleineren, schuldlos in Sünde geratenen Übeltäter darzustellen.

Die katastrophalen Zustände in dem alten "Klingelpütz", deren Details den Skandal sicher noch größer machen werden, verantworten schließlich nicht allein diese beiden Angeklagten. Geprügelt und mißhandelt konnte werden, ohne daß der Gefängnisdirektor eingriff, ohne daß der Generalstaatsanwalt, dem der Strafvollzug untersteht, eine Ahnung davon hatte, und es wurde geprügelt, weil das Justizministerium, die verantwortliche Landesbehörde, zu lange, zögerte, um die Unzulänglichkeiten des Strafvollzugs in dem Kölner Gefängnis abzustellen.

Den Anstoß gab erst die Kölner Boulevard-Zeitung "Express", deren Reporter in achtmonatiger Kleinarbeit untersucht hatte, wie zwei Gefangene auf mysteriöse Weise vom Leben in den Tod befördert worden waren. Der Staatsanwalt ermittelte daraufhin noch einmal ein Jahr, stieß auf rund 50 Mißhandlungsfälle, konnte aber bis heute nicht die Mörder der beiden Toten feststellen.

Erst vor wenigen Tagen wurde auch das förmliche Disziplinarverfahren gegen den Gefängnisdirektor eingeleitet. Außerdem wird gegen einen Arzt ermittelt, der im Verdacht steht, Gefangenenmißhandlungen nicht verhindert zu haben: Ort der Gewalttätigkeiten war in allen Fällen die psychiatrische Anstalt, die dem "Klingelpütz" angegliedert ist.

In der vergangenen Woche konstituierte sich nun endlich auch der "Untersuchungsausschuß Klingelpütz" in Düsseldorf. Im Verlauf der Prozeßverhandlung in Köln, die bis Mitte Dezember dauern soll, werden sich die Parlamentarier fragen müssen, warum sie sich erst jetzt für diese stinkende Pestbeule interessieren.