Der diesjährige Kinderbuchpreis ging an Max Bolliger für seine Erzählung –

Max Bolliger: "David"; Verlag Otto Maler, Ravensburg; 120 S., 2,40 DM.

Kennt man die Bibel einigermaßen und liest nun die Story von der Karriere eines Hirtenjungen, muß einem der Verdacht kommen, daß hier lediglich eine fromme Absicht prämiiert wurde, ein ‚echtes Anliegen". Was sonst kann die Jury an dieser Bibeladaption für Kinder gut, schön oder richtig gefunden haben?

Der Text ist gespickt mit manierierten Wendungen, die weder kindertümlich sind, noch irgend etwas mit der kräftigen Sprache biblischer Erzählungen, auch nichts mit dem feierlich-beschwörenden Rhythmus der Psalmen zu tun haben. Verlegene Künstlichkeit statt Kunst oder wenigstens redlicher Beschreibung: "Er ist des Verfolgtseins müde" – "Aber David wehrt ihm."

Kinder haben kurze Sätze gern – diese Regel hat der Autor brav gelernt. Dem David ist sie nicht bekommen, er sieht plötzlich ganz linkisch aus, eine Figur für Übungssätze im ersten Schuljahr: "David erschrickt. Er hat von Samuel gehört. Samuel ist sehr alt. Alle verehren ihn. Auch der König. Samuel hört die Stimme Gottes. Er ist ein Prophet." Kurzinformationen, die durch die Penetranz des scheußlich lakonischen Präsens wie Behauptungen wirken, abgehackte Stückchen Prosa, die sich nicht verbinden, manieriertes Stakkato statt Rhythmus.

Ganz schlimm wird es, wenn der Text sich bemüht, tief zu sein: "Er hat schöne Augen und ist von guter Gestalt. Gott wohnt in seinem Herzen." "Er lauscht nur noch in sich hinein. Dort hört er Gottes Stimme."

Natürlich kann man Kindern nicht alles erzählen, aber noch wichtiger ist, ihnen nichts Falsches zu erzählen. Vor allen Dingen aber darf man nicht so schlecht erzählen.

Waltraut Schmitz-Bunse