Seit Jahren starrt alle Welt gebannt auf die Werften Japans, die sich innerhalb weniger Jahre an die Spitze des Weltschiffbaus vorgearbeitet haben. Fasziniert von diesem Phänomen hat die Öffentlichkeit jedoch den Aufstieg eines anderen Staates in die Spitzengruppe kaum bemerkt. Nach der letzten Statistik des Instituts für Schiffahrtsforschung in Bremen hatte die Sowjetunion am 1. Oktober dieses Jahres mit rund 8 Millionen Bruttoregistertonnen (BRT) Schiffsraum die sechstgrößte Handelsflotte. Von den 211 im letzten Jahr in Dienst gestellten Schiffen sind 91 mit zusammen 520 000 BRT auf sowjetischen Werften gebaut worden.

Dr. Theel, der Leiter des Instituts, glaubt, daß in Wirklichkeit noch mehr Schiffe von sowjetischen Werften gebaut wurden. Nach den bekannten Zahlen ist die Sowjetunion jedenfalls auf den fünften Platz den Schiffsbauländer in der Welt gerückt, vor Frankreich, den Niederlanden, Italien, Polen, der DDR und den Vereinigten Staaten. Auf den ersten vier Plätzen: Japan, Großbritannien, Schweden und die Bundesrepublik. 548 000 BRT ließen die Sowjets in Ostblockstaaten bauen, 377 000 BRT in westlichen Ländern. Die Überraschung war wiederum Japan, das mehr als 118 000 BRT ablieferte, während die Bundesrepublik nur mit drei Fischereifabrikschiffen von zusammen 50 000 BRT vertreten war.

1965 lieferte die Sowjetunion auch ihr erstes, für den Export hergestelltes Schiff an einen griechischen Auftraggeber ab. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, daß die Sowjets als neuer Konkurrent auf dem Weltmarkt auftreten werden. cb