Von Alexander Rost

Auf Salzwasser sind schon viele Jugendbücher zum Erfolg gesegelt. Das Meer, die einsame Insel nebst Schatzhöhle, Sturm und Schiffbruch und wundersame Errettung – nun, mittlerweile mag auch von Turbinen, Kesseln, Bergungsschiffen, Funksprüchen und Radar die Rede sein; aber das moderne seemännisch-technische Vokabular (von den meisten Jugendbuchschriftstellern freilich noch ungeschickt oder haarsträubend benutzt) ändert nichts daran: jene „Romantik“, die der Junge und wohl ebenso das Mädchen in ihren Büchern suchen, ist auf hoher See und in fremden Häfen besonders gut zu haben. Und wo’s exotisch hergeht, läßt sich leicht auch ein bißchen „007“ in die Zeilen schmuggeln. Etwa: „Wieder hob Karmey den Revolver. An seiner linken Wange zuckte ein Muskel. Smith schien dieses Zeichen als Gefahrensignal zu erkennen...“ Knallhart, knallheiß, in südostasiatischen Tropen spielt die Geschichte von

Arthur Catcherall: „Die Falle an der Fakir-Bank“; Hermann Schaffstein Verlag, Köln; 112 S., 8,80 DM.

Farbdias, die piratische Hinterlist mit falschen Positionslichtern entlarven, ein Tanker, der auf eine Sandbank gelockt wurde und Flugbenzin, hochexplosiv, geladen hat, sowie eine tolle Bergungsgeschichte nebst Erpressungsversuch sorgen für Spannung. Langweilig jedenfalls ist das nicht.

Nicht auf eine Sandbank in indonesischen Gewässern, sondern auf einen „tückischen Felsen“ gerät ein anderes Schiff, und das in einer Gegend, die auch jüngsten Deutschen schon mindestens dem Namen nach bekannt ist. Peter und Günter, deutsche Jungen, erleben ihr Abenteuer auf einer Motorbootfahrt von Marsala nach Mallorca –

Nicolai von Michalewsky: „Das Geheimnis der Santa Lucia“; Erich Schmidt Verlag, Berlin; 166 S., 7,90 DM.

Da liegt also der italienische Frachter „Santa Lucia“ auf dem Riff. Nur der Kapitän ist noch an Bord, und dem schwant Böses. Doch wie kann er beweisen, daß Meuterei, Attentat, Befehlsverweigerung im düsteren „Geheimnis“ dieses Schiffsunglücks stecken? Peter schafft’s. Ein ganz ähnlicher Vorfall soll sich in selbiger Gegend vor Jahren wahrhaftig ereignet haben, merkt der Verlag an; dieser werbewirksame Hinweis bleibt allerdings vage.

Und auch hier wird üble Tat ins Salzwasser gemengt –

Peter Dawlish: „Der pfiffige Pirat Jacko“; Sigbert Mohn Verlag, Gütersloh; 205 S., 10,80 DM.

Im letzten Augenblick erst wird Matthew, der unter die Piraten geraten war, vor dem Galgen gerettet, dank Jacko, der ein besonders netter, noch junger, aber schon mit allen Wassern gewaschener Pirat ist. Matthew, vierzehn Jahre alt, hatte zu seinem Onkel, einem in Virginia Tabak pflanzenden Oberst, reisen sollen und wollen und dabei den falschen Leuten vertraut. So etwas kann zu keiner Zeit ohne Komplikationen abgehen, und das schon gar nicht so um 1690 herum. Da konnte es dann schon passieren, daß man sich plötzlich auf einem Piratenschiff wiederfand.

Die Geschichte ist flott und ohne aufdringliche Moral erzählt. Die Schurken sind nicht völlig schwarz und die Helden schon gar nicht rein weiß. Zeitkolorit und das Milieu sind gut gemalte Kulissen, vor denen auch unwahrscheinliche Taten durchaus wahrscheinlich wirken. Manches wird einfach durch einen Schuß Humor ins rechte Lot gerückt.

Und wo es ganz und gar unwahrscheinlich turbulent hergeht, wird Witz aufgefahren, bei den Wikingern nämlich, genauer gesagt bei –

Runer Jonsson: „Wickie und die Blauschwerter“; Herold Verlag, Stuttgart; 120 S., 6,80 DM.

Wie der Wikingerjunge Wickie mit den nordischen Kraftprotzen umspringt, hat man ja schon aus „Wickie und die starken Männer“ erfahren. Für diese Geschichte gab es den Deutschen Jugendbuchpreis für das beste Kinderbuch 1965. Jetzt also liegt die Fortsetzung vor, nicht minder gut gelungen. Und schon geht die dritte Folge ins Haus: „Wickie und die großen Drachen“ geht in Druck. Nun, es ist wirklich köstlich, mag man auch ein bißchen zusammenzucken, wenn da „das uralte Kampflied des Skalden Ulme“ angestimmt wird: „Hautse, hautse, immer auf die Schnauze!“ Die lieben Kinder singen das sehr gern.