A. B., Saarbrücken

Einige Besucher, die während der Rede erregt den Saal verließen, Ärger mit den Mitveranstaltern und viele Telephonanrufe handelte sich der saarländische Landesverband des "Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge" bei der Feier zum Volkstrauertag im Saarbrücker Stadttheater ein. Der Schriftsteller Rudolph Krämer-Bodoni hatte in seiner Ansprache den letzten Weltkrieg eine "Ausgeburt des Wahnsinns" genannt, die "uns Deutschen unermeßliche Schande gebracht" hat. Er verweigerte sein Mitgefühl allen, die das Vaterland besudelt hätten. Ehrend gedachte er nur derer, die gehorsam ihrem Vaterland zu dienen und für eine gerechte Sache einzutreten geglaubt hätten. Seinen Sinn aber findet das Opfer von Millionen von Menschen des letzten Krieges nur in den Widerstandskämpfern, "die den Namen des Vaterlandes reinigten". Kaum waren diese Worte gefallen, verließen einige Besucher ostentativ das Theater. Die "Saarbrücker Zeitung" bescheinigte daraufhin dem Festredner "harte Formulierungen" bei der Beurteilung der deutschen Vergangenheit, einen "rücksichtslos-aufwühlenden Grundton" und eine "sehr eigenwillige Akzentsetzung".

Der Vorsitzende des Saarländischen Verbandes der Heimkehrer, Helmuth Hunsicker, wandte sich empört gegen "eine Klassifizierung der Toten". Der Volkstrauertag müsse ein Tag "ohne Hetze und Verunglimpfung des deutschen Volkes" sein. Sein Verband werde möglicherweise die "Konsequenzen ziehen" und nicht mehr als Mitveranstalter dieser Feier auftreten.

Dagegen sagte der Geschäftsführer des saarländischen Landesverbandes des "Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge", Hans-Jürgen Hoffmann, zu den Vorfällen: "Wer den Saal verläßt, wenn von denjenigen, die unser Vaterland besudelt haben, die Rede ist, stellt sich mit ihnen auf eine Stufe."