Harold Wilson will Großbritannien zum zweitenmal auf den Weg nach Europa führen. Vorige Woche sagte er dem Unterhaus: "Die Regierung geht mit der klaren Absicht und Entschlossenheit an die Gespräche heran, dem Gemeinsamen Markt beizutreten, wenn – was wir hoffen – unsere wesentlichen britischen und Commonwealth-Interessen gewährleistet werden können. We mean business."

Wirklich? Harold Wilson hat zu lange die Londoner Anti-EWG-Front geführt, als daß seine plötzliche Bekehrung auf dem Kontinent ohne alle Zweifel aufgenommen werden könnte. Auch war seine Erklärung so formuliert, daß sie viel offen ließ – vor allem die Frage, welche Sonderregelungen Wilson für Großbritannien erwirken will und welche Änderungen der Römischen Verträge ihm vorschweben. Das alles bedarf der Präzisierung.

Wenn etwas die kontinentalen Befürworter eines britischen EWG-Beitritts ermutigen kann, dann ist es nicht so sehr Wilsons Anlauf als vielmehr die immer deutlicher gewordene Europafreudigkeit der Briten, von denen sich heute 68 Prozent für Englands EWG-Mitgliedschaft aussprechen. Hier ist ein politischer Meinungsdruck entstanden, den der Premier nicht ungestraft ignorieren kann. Aber in der Sache sind wir deswegen nicht viel weiter.

Wilsons konservativer Vorgänger Macmillan scheiterte im Januar 1963 mit seinen Europa-Plänen an der Klippe de Gaulle – und diese Klippe liegt auch auf dem Kurs, den London jetzt eingeschlagen hat. Es ist gut zu wissen, daß die Briten in den Gemeinsamen Markt wollen. Entscheidend jedoch wird sein, ob der selbsternannte Türsteher Europas, Charles de Gaulle, ihnen den Eintritt aufs neue verwehrt oder ober sie diesmal passieren läßt. Bis sich das herausstellt, wird viel Wasser die Seine, die Themse und den Rhein hinabfließen. Th. S.