Das menschliche Wesen ist ebenso leicht der Menschenfresserei fähig wie der Kritik der reinen Vernunft; es kann mit den gleichen Oberzeugungen und Eigenschaften beides schaffen, wenn die Umstände danach sind, und sehr großen äußeren Unterschieden entsprechen dabei sehr kleine innere. Robert Musil

Angelsächsische Entscheidung

Zum neuen Rektor der Universität Edinburgh wurde mit großer Stimmenmehrheit Malcolm Muggeridge, der frühere Chefredakteur des "Punch" und jetzige Mitarbeiter des "Observer" gewählt. Außer Muggeridge hatten sich um dieses akademische Ehrenamt noch Lord Birsay und der ehemalige Minister der Konservativen Partei, Quintin Hogg, beworben. Was alles beweist, daß es doch auch Probleme gibt, die in unseren Universitäten gar nicht erst auftauchen können.

Universitätsgründung forciert

Ein ganz neues Image soll die Stadt Bielefeld gewinnen. Professor Mikat will, solange er noch Kultusminister in Nordrhein-Westfalen ist (oder um es noch länger zu bleiben?), sicherstellen, daß die (nach Bochum, Konstanz, Bremen, Regensburg) fünfte neu geplante Universität, die "Ostwestfalen-Universität" in Bielefeld, die (nach Bochum und Konstanz) dritte ist, die den Forschungs- und Lehrbetrieb aufnimmt: ab Wintersemester 1968/69 zunächst mit fünfundzwanzig Lehrstühlen. Eine Ära ginge damit zu Ende, die Georg Kreisler einmal besungen hat: Was nützt uns denn das viele Geld – in Bielefeld, in Bielefeld?

Experiment in Hamburg

Die Hamburger Schulbehörde hat der Öffentlichkeit einen Entwurf vorgelegt, mit dessen Hilfe der Vorsprung Berlins und Hessens in Sachen "Gesamtschule" aufgeholt werden soll. Das Hamburger Modell will auf Klassen verzichten und die Schüler in Leistungskursen je nach ihrer Begabung zusammensetzen. Mit zunehmendem Alter sollen sie sich selber aus einem großen Angebot die Fächerkombinationen aussuchen, die ihnen angemessen sind. Die Gesamtschule ist damit noch längst nicht die Einheitsschule, vor der alle westlichen Schulpraktiker Angst haben. Weder Lehrer noch Schüler werden auf ungebührliche Weise gleichgeschaltet. Sie werden aber auch nicht wie im jetzigen Schulsystem voneinander isoliert. Die Hamburger CDU-Opposition ist darum schlecht beraten, wenn sie glaubt, den Entwurf der Schulbehörde ablehnen zu müssen, falls sie entdecken sollte, daß in der Gesamtschule vor allem soziale Integration betrieben wird. Die CDU meint, das sei die Aufgabe der Gesellschaftspolitik und habe in der Schule nichts zu suchen. In der Schule von heute wird aber über die Gesellschaft von morgen entschieden. So säuberlich lassen sich Gesellschaft und Bildung denn doch nicht trennen.