Von H. F. Millikin

Der Fall, von dem hier die Rede ist, unterscheidet sich wesentlich von allen anderen unserer Serie dadurch, daß keine kriminellen Vorwürfe erhoben werden, wohl aber – jedenfalls nach Ansicht der amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde S.E.C. – ein rechtswidriges Verhalten vorliegt.

Darüber hinaus kann man unbedenklich auch in diesem Fall von einem Finanzskandal sprechen, wie es führende amerikanische Blätter getan haben. So gab Newsweek einem ausführlichen Bericht über diese Angelegenheit die Überschrift: "Wall Street: A Sulphurous Scandal."

Mit Schwefel hat die Sache allerdings nichts weiter zu tun, als daß die Gesellschaft Texas Gulf Sulphur Co., die im Mittelpunkt dieser Affäre steht, ihrem Namen nach Schwefel erzeugt und auch früher zu den größten Produzenten dieser Branche zählte.

Seit einiger Zeit ist jedoch mit Schwefel auf dem Weltmarkt kein großes Geschäft mehr zu machen. Infolge sinkender Nachfrage und entsprechend fallenden Preisen sah Texas Gulf Sulphur seinen Reingewinn von 32,3 Millionen Dollar im Jahre 1955 bis 1963 auf 9,4 Millionen abgleiten.

Daher begann die Gesellschaft 1958, sich nach anderen Verdienstmöglichkeiten umzusehen. Anscheinend nur von einer guten Nase geführt, erwarb sie im kanadischen Urwald nördlich der Stadt Timmins (Ontario) eine größere Konzession und machte sich daran, dort nach Erzen zu schürfen.

Nach etwa fünf Jahren intensiver geophysikalischer Forschung und mancher vergeblichen Versuchsbohrung machte Texas Gulf Sulphur am 8. November 1963 an einer nur etwa 20 Kilometer von Timmins entfernten Stelle einen unerwartet reichen Fund. In nur 150 Meter Tiefe war der Bohrer auf eine ergiebige Kupferader gestoßen. Auch Silber und andere wertvolle Erze wurden in der Nähe gefunden.