Außenminister Schröder wollte und konnte nicht länger damit hinter dem Berg halten: Die Bundesregierung, so bestätigte er seit langem kursierende Vermutungen, möchte "möglichst bild wieder ein gutes Verhältnis" zu den arabischen Staaten herstellen. Schröder war, als Bundeskanzler Erhard sich im März 1965 für den Austausch von Botschaftern mit Israel entschied, einer der wenigen im Kabinett gewesen, der vor diesem folgenschweren Schritt gewarnt hatte. Zehn der dreizehn arabischen Regierungen b-achen damals abrupt ihre diplomatischen Beziehungen zu Bonn ab.

Momentan freilich ist Schröders Position nicht minder aussichtslos. Ein handlungsunfähiges Bonn ist kein politischer Handelspartner für die Araber, eine zahlungsschwache Bundesrepublik noch weniger. Denn soviel ist gewiß: Kairo zumal und Damaskus wollen sich einen neuen Botschafteraustausch und die Hinnahme der Bonner Beziehungen zu Israel teuer bezahlen lassen. Nasser, dessen Devisentresor fast leer ist, und das syrische Baath-Regime, das Geld für den Euphrat-Staudamm braucht, sind die Schrittmacher auf dem Weg zurück nach Bonn. Sie bestimmen die Einsätze in diesem Pokerspiel, ungeachtet ihrer Differenzen mit den feudalistischen "arabischen Brüdern" in Jordanien und Saudi-Arabien.

So sehr auch den Ägyptern und den Syriern der Schuh drückt – sie sitzen im Augenblick am längeren Hebel: Sie wollen den Kaufpreis diktieren, den ihnen sonst Moskau und Ostberlin entrichten würde. Obendrein rechnen sie wohl damit, daß eine neue Bonner Regierung im Zuge einer korrigierten Politik gegenüber der DDR auch das enge Korsett der Hallstein-Doktrin lockern wird. Am Ende bekommen sie noch ihre Millionen aus beiden deutschen Schatullen.

Erpressung, Nötigung? Auch im Nahen Osten wird Politik nun einmal mit Geld gemacht. Und Bonn wird auch hier, will es im Rennen bleiben, wieder Politik machen müssen – nicht zuletzt zum Nutzen der deutschen Wirtschaft. D. St.