Starke Stimmung für Große Koalition

Von Robert Strobel

Bonn, im November

Hätten die Arrangeure der Bonner Krise vorausgesehen, was sie da in Gang bringen würden und wie wenig auch ihre persönlichen Hoffnungen, von denen sie sich zu dem Intrigenspiel gedrängt fühlten, in Erfüllung gehen würden, sie hätten sich vermutlich mehr Zurückhaltung auferlegt. Nur ein einziger von ihnen zog aus dem Fangnetz der Kabalen den erhofften Gewinn: Franz Josef Strauß.

Rainer Barzel, der sich wohl schon als Kanzler im Palais Schaumburg gesehen hatte, als "Retter in der Not", ist nun stark zurückgedrängt. Es ist noch nicht einmal abzusehen, ob er sich auf dem Platz des Fraktionsvorsitzenden wird behaupten können. Denn immer mehr Abgeordnete der Union haben inzwischen eingesehen, daß der Fraktionsvorsitzende einer so schwer zusammenzuhaltenden, weil unterschiedlich interessierten politischen Gruppierung, seinen persönlichen Ehrgeiz sehr viel stärker, als es Barzel tut, hinter dem Interesse der Partei zurückstellen muß – so wie dies Brentano und Krone viele Jahre getan haben.

Die Stürmer und Dränger in der FDP wiederum, die ihren Wagemut in kühner Selbstsicherheit über die Erfahrungen der älteren Kollegen setzten, und vielleicht auch schon mit dem einen oder anderen Ministeramt kokettierten, sahen ihr Kalkül bereits nach der Landtagswahl in Hessen widerlegt, und sie sehen dies jetzt nach der Wahl in Bayern noch deutlicher.

Nur die Rechnung von Strauß ging auf – wenigstens in München. In Bonn ist zwar seine Position stärker geworden, aber eine Schlüsselstellung hätte er nur bei einer Rekonstruktion der zusammengebrochenen alten Koalition. Gerade dafür jedoch wurden die Chancen in den letzten Tagen immer schlechter, obwohl die Befürworter einer Neuauflage der Kleinen Koalition in beiden Lagern noch nicht alle Hoffnung aufgegeben haben, Mitte der Woche glaubten sie sogar neue Anzeichen einer Wendung in ihrem Sinne zu erkennen. Reinhold Maier, der am Dienstag an einer gemeinsamen Sitzung des Bundesvorstandes und der Bundestagsfraktion der FDP teilnahm, hat sein Prestige für eine solche Lösung eingesetzt.