Von Thilo v. Uslar

München, im November

Schon Monate vor den bayerischen Landtagswahlen hatte der CSU-Generalsekretär Anton Jaumann verkündet, er werde am 20. November, dem Wahltag, sein "Meisterstück" liefern. Damals stieß er auf Skepsis, auch in den eigenen Reihen, um so mehr, als er kurz vor den Wahlen selbst nicht mehr restlos davon überzeugt zu sein schien, daß die CSU wieder die absolute Mehrheit im Landtag erringen könne. Jetzt, nach dem Vahlsonntag, erfuhr das Orakel vom "Meisterstück" eine neue Auslegung: die CSU hat nicht nur ihre absolute Mehrheit an Landtagssitzen von 47,5 auf 48,2 Prozent ausgebaut, sie hat auch wesentlich dazu beigetragen, daß die Freien Demokraten die Zehn-Prozent-Hürde nicht überwanden, zum erstenmal seit zwanzig Jahren.

Die Sozialdemokraten haben am Tag nach der Wahl das Ausscheiden der FDP ausdrücklich bedauert. Nicht so die CSU. Sie betrachtet das Verschwinden der liberalen Opposition als einen Teil ihres "Meisterstückes". Das Wahlergebnis bestätigt die Richtigkeit des taktischen Konzepts im Wahlkampf: besonders in Mittelfranken konzentrierten sich alle Angriffe der CSU auf die FDP. Von der NPD dagegen war bei ihr kaum die Rede.

Mit dieser Technik hat die CSU nicht unbedingt in die eigene Tasche gewirtschaftet. Die Parole: "Wählt nicht die FDP" brachte die Wähler nicht automatisch zur CSU. In Mittelfranken, wo die FDP von 11,2 auf 9 Prozent abrutschte, verlor auch die CSU fast zwei Prozent ihrer Stimmen.

Abgesehen von dem Erfolg der NPD (7,4 Prozent der Stimmen und 15 Abgeordneten) bringt das bayerische Wahlergebnis kaum sensationelle Details. 1962 gewann die CSU 108 Sitze, durch zwei Überläufer von der Bayernpartei wurden es 110. Diese Fraktionsstärke konnte gehalten werden. Politische Spektakel und Affären wirken sich in Bayern weniger aus als anderswo. Auch 1962, nach der "Spiegel-Affäre", wählten die Bayern unbeirrt Strauß und die CSU. Ihr Versprechen bei diesen Wahlen lautete: Wenn ihr uns – und damit Bayern – stark macht, sorgen wir in Bonn für Ordnung. Es verfehlte seine Wirkung nicht.

Für die SPD bleibt es, trotz einem halben Prozent Zuwachs, bei 79 Sitzen. Die Sozialdemokraten gewannen zwar in traditionellen katholischen und CSU-Gebieten, dort pendeln die Gewinne der SPD und die Verluste der CSU in einzelnen Bezirken Niederbayerns und der Oberpfalz bis über die zehn Prozent. In den Großstädten aber, den Domänen der SPD, verlor die Partei an Boden.