Von Richard Exner

In einem "Atiliergesprach" über "Das unerwünschte Gedicht" läßt Heinz Piontek den einen Gesprächspartner folgendes sagen: "Ich meine jedenfalls, daß das Gedicht den Menschen nicht im Stich lassen darf, der heute wie zu keiner anderen Zeit von seinem eigenen Bewußtsein bedroht wird Es muß sich wieder, seiner Sache annehmen... und seinen Prozeß vor der Instanz der Wahrheit führen – wohlgemerkt: mit allen Mitteln der Kunst. Es kann den Maischen nicht mit philosophischen oder theologischen oder soziologischen beweisen" retten: Verse sind "unbeweisbare Formeln‘. Es kann ihn einzig mit den Waffen der Schönheit verteidigen."

Das sind hochgemute und couragierte Worte. Sie stammen von einem Lyriker, der bereits vor Jahren von der "poetischen Verteidigung des Menschen" gesprochen hatte. Dies geschieht für Piontek, indem der Dichter sein Wort für den Menschen einsetzt, indem er es als Mensch poetisch einsetzt, ihn also mit den Waffen der Schönheit verteidigt.

Man lese nun das halbe Hundert Gedichte, das Piontek in seinem fünften Lyrikband vorgelegt hat –

Heinz Piontek: "Klartext"; Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg; 88 S., 9,80 DM.

Wer die vor über einem Jahrzehnt veröffentlichten Gedichte des Autors kennt und seine weiteren Bände gelesen hat, bemerkt zunächst eine deutliche Tendenz zur Einsilbigkeit, zum Weglassen. Das mag mancherlei Gründe haben, den positiven etwa, daß man weniger sagt, wenn man weiß, worauf es ankommt, oder den scheinbar negativen, daß jegliches Sprechen, auch das lyrische, nur Mißverständnisse schafft. Es kann aber auch sein, und hier liegt sicher ein wesentlicher Grund bei Piontek, der Dichter glaubt, wie es in den "Sonetten an Orpheus" heißt, der "Figur".

Die Figur führt von der Redseligkeit in ein durch Zeichen unterbrochenes Schweigen. Auf Momente scheint eine Verbindung zu bestehen, die es gar nicht gibt.