Beiträge zum Verhältnis der "Massenmedien untereinander / Von Fritz Eberhard

Rundfunkanstalten und Tageszeitungen. Eine Materialsammlung. Herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland. Vier Bände, zusammen 1252 Seiten.

Die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland will "die Öffentlichkeit und die mit dem strittigen Fragenbereich befaßten Persönlichkeiten auf Tatsachen und Meinungen aufmerksam machen, die nach Ansicht des Rundfunks bisher nicht oder nicht genügend zur Sprache gekommen sind und die Beachtung verdienen, wenn man zu einer sachgerechten Beurteilung der Problematik gelangen will". Das erklärt der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, der Intendant des Hessischen Rundfunks, Werner Hess, in einem Vorwort zu dieser Dokumentationsreihe. In der Tat sind die bisher vorgelegten Bände ein gewichtiger Beitrag zu der seit Jahren andauernden öffentlichen Diskussion.

Im Gegensatz zu der vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger 1964 herausgegebenen Schrift "Pressefreiheit und Fernsehmonopol" sind die Beiträge des ersten Bandes ("Dokumentation 1, Tatsachen und Meinungen") in der Mehrzahl bereits an anderer Stelle erschienen. Entsprechend dem Vorwort wurde nach parteilichen Gesichtspunkten ausgewählt. Nur der Anhang enthält drei Stellungnahmen der anderen Seite, zusammengefaßt unter der Überschrift: "Aus Zeitungsverlegersicht."

In mehreren Abhandlungen wird mit Recht darauf hingewiesen, daß das Werbefernsehen nur in Teilbereichen, nämlich auf dem Gebiet der Markenartikelwerbung und der Werbung für sogenannte überregionale Dienstleistungen, mit den Zeitungen konkurriert. Vier Fünftel des Anzeigenvolumens der Presse dagegen können durch das Werbefernsehen normalerweise gar nicht beeinträchtigt werden: Geburts-, Heirats- und Todesanzeigen, Stellenmarkt, Grundstücks- und Wohnungsmarkt. Auch der Bereich der lokalen Werbung wird wohl Sache der Zeitungen bleiben. Das zu sichern, ist für die lokale Presse wichtig.

Skeptische Verleger

An anderer Stelle der Dokumentation heißt es, die Sorge der Verleger wegen einer weiteren Ausdehnung der Sendezeiten des Werbefernsehens sei gegenstandslos. Ähnliche Versicherungen gab es bekanntlich auch schon vor einigen Jahren. Die Werbefernseheinnahmen jedenfalls sind gestiegen und werden wohl noch steigen. Es ist daher verständlich, wenn die Verleger in diesem Punkt skeptisch bleiben. Die Ministerpräsidenten der Länder haben zwar vereinbart, die Gesamtdauer des Werbeprogramms im Fernsehen auf höchstens zwanzig Minuten (werktäglich in Jahresdurchschnitt) festzusetzen; aber wer könnte sie daran hindern, diesen Beschluß zu ändern? Abgesehen davon wird die Arbeitsgemeinschaft mit einer Vorbemerkung in Band 4 recht haben: "Eine wirkliche Beeinträchtigung der Werbeeinnahmen der Tagespresse kann durch Preiserhöhungen im Fernsehbetrieb, die möglicherweise auch künftig unumgänglich sind, nicht erfolgen." Nach der Zusammenfassung der Analyse von Kapferer und Schmidt (sie steht vollständig in Band 4) erscheinen als der eigentliche Wettbewerber der Tageszeitungen nicht das Werbefernsehen, sondern die Zeitschriften. Dieser Wettbewerb wird sich wohl verstärken, denn "immer mehr überregional verbreitete Publikumszeitschriften gehen dazu über, ihren Inserenten Werbungsmöglichkeiten in Teilausgaben anzubieten".