Franz Josef Strauß, so hat man in der letzten Zeit immer wieder gehört, sei maßvoll, zurückhaltend geworden. Seit seinem Sturz in der "Spiegel"-Affäre sei er in sich gegangen und habe seinem krachledernen Temperament Zügel angelegt. Ein neuer Strauß wurde der staunenden Menge präsentiert, ohne Scheitel, mit Messerschnitt, besonnen und noch klüger.

Bare Münze? Franz Josef Strauß nach den Bayern-Wahlen vom Sonntag: Die Reaktion der Öffentlichkeit auf das Auftreten der NPD sei "die Antwort auf die jahrelange Verhöhnung und Verspottung der Bundesrepublik, die Antwort auf die jahrelange Methode, alles, was deutsch ist und was national heißt, in den Dreck zu ziehen". Wohlgemerkt – das stammt nicht von Thielen, nicht von von Thadden. Strauß sprach so und tat die eindeutige Distanzierung seines Partei-Generalsekretärs Jaumann von Gesprächen mit den Nationaldemokraten als dessen "persönliche Meinung" ab.

Nein, es gibt keinen neuen Strauß. Es gibt nur den alten: den Politiker, dessen Opportunismus keine Grenzen kennt. Deutschland zwanzig Jahre lang verhöhnt? Daß er hier mit der NPD an einem Strang zieht, beweist nur: Strauß hat nichts hinzugelernt. D. St.