Renatus – das heißt der „Wiedergeborene“. Der Name, auf den 1927 der einzige Sohn des Hofjuweliers F. R. Wilm getauft wurde, sollte beziehungsvoll werden. Einundzwanzig Jahre später, 1948, erweckte Renatus Wilm, durch die Kriegsereignisse inzwischen mit der Familie wieder in die Heimat der Vorfahren zurückverschlagen, in Hamburgs guter Stube um die Binnenalster am Ballindamm das alte Familiengeschäft zu neuem Leben.

Renatus Wilm hat das Goldschmiedehandwerk erlernt, wie es in der Familie seit sechs Generationen Tradition ist – aber nicht ganz seinem Jugendtraum entspricht, denn seine Liebe galt der Mathematik, der Physik und der Musik. Auf dem Mommsen-Gymnasium war jedoch 1943 seines Bleibens nicht länger, weil er englische Rundfunksendungen den deutschen vorzog und darüber auch noch in der Schule plauderte. So hämmerte er denn in der Werkstatt seines Vaters Eichenlaube mit Schwertern und Brillanten und machte im April 1945 im mecklenburgischen Güstrow seine Gesellenprüfung, während die sowjetischen Panzer schon fast am Stadtrand standen.

In dem leichten Umgangston, der ihm eigen ist, in dem mit hanseatischer Distinguiertheit und Understatement eingerichteten knapp zehn Quadratmeter großen Büro hinter dem „Laden“ klingen solche Erinnerungen eher wie amüsante Anekdoten auf dem Lebensweg des Mannes, der heute in den Kontoren der Central Selling Organisation – besser als „Diamanten-Syndikat“ bekannt – als Nummer 1 unter den deutschen Kunden verzeichnet ist.

Der Urahn – ein Hamburger Silberschmied – hatte für den Preußenkönig Friedrich dem Großen eine Silberkanne gearbeitet, von diesem den Titel „Hofjuwelier“ verliehen bekommen – ein Titel, der dann über Generationen wie in natürlicher Erbfolge vom Vater auf den Sohn überging – und sich daraufhin vor knapp 200 Jahren in Berlin niedergelassen, um einer aristokratischen Gesellschaft zu dienen.

Der Urenkel will, den Zeichen der Zeit und der egalitären Demokratie folgend, Diamanten – einst das Geschmeide adliger Frauen und reicher Patriziertöchter – nun unter das Volk bringen. „Vor uns liegt ein Markt, den wir erschließen müssen wie in den USA, wo 86 Prozent aller Frauen einen Diamantring tragen.“

Umfragen des Mefo-Instituts für Marktforschung besagen, daß sich ein Drittel der deutschen Frauen Diamantschmuck wünscht, 17 Prozent jedoch erst welchen haben.

Das Geschäft mit Diamanten lernte Renatus Wilm in Antwerpen, wo heute die bedeutendste Diamantenbörse ist. „Das Geschäft fasziniert mich, weil es so hart und klar ist wie die Ware, die gehandelt wird. Jedes Wort kostet Geld. Für ein Gebot, das ich heute mache, muß ich morgen bis 12 Uhr das Geld auf den Tisch legen. Das ist Gesetz.“