Wer sich darüber ärgert, daß die Parkregelung in der City den Last- und Lieferwagen gegenüber dem Personenkraftwagen gewisse Privilegien einräumt, vergißt allzu leicht, daß er es sehr schnell am eigenen Leibe zu spüren bekäme, wenn man das Be- und Entladen im Stadtkern völlig unterbinden würde. Das Fehlen der Morgenzeitung wäre beispielsweise die Folge davon, weil die Rotationsmaschinen der Zeitungsverlage nicht ausreichend mit Papier versorgt werden könnten. Aber auch alle wichtigen Lebensmittel und andere Waren werden mit dem Lastkraftwagen in die Versorgungszentren gebracht.

Die Fußgängerstraße erfreut sich immer allgemeinerer Beliebtheit. Doch füllen sich die Schaufenster und Regale der Geschäfte und Kaufhäuser nicht von selber. Wer dem Fußgänger das Einkaufen auf diese Weise erleichtern will, muß auch die Möglichkeit schaffen, daß Ware herangebracht und Leergut abgefahren werden kann. Die Ladestraße an der Rückfront der Geschäftshäuser ist zweifellos eine ideale Lösung, die sich leider meistens nur bei Neubauten realisieren läßt. Da ist viel versäumt worden in den Jahren des Wiederaufbaus. Natürlich sind auch die Betriebe zu beneiden, die über große Innenhöfe und ausreichenden Lagerraum verfügen. Aber die Grundstückpreise sind in der Innenstadt auf eine astronomische Höhe geklettert. Jeder Quadratzentimeter muß so rationell wie möglich genutzt werden. Die meisten Warenhauskonzerne haben deshalb ihre Lager an die Peripherie der Städte verlegt und sorgen je nach Bedarf für Nachschub. Von größeren Einrichtungsgegenständen, wie Möbeln, Kühlschränken und Waschmaschinen, verfügt das Warenhaus im Stadtkern nur über wenige Musterexemplare.

Es ist aber keine Patentlösung, den schweren Lastkraftwagen die Einfahrt in den Kern der Städte generell verbieten zu wollen. Stadträte, die die wichtigen Versorgungsadern zu den Produktions- und Verkaufsstätten abschnüren wollten, würden zwangsläufig die Stadtflucht fördern. Landkreise in der engeren und weiteren Umgebung der Großstädte profitieren schon heute von den Umsätzen großer Einkaufszentren und zahlungskräftiger Industrie- und Handelsunternehmen, die auf dem flachen Land Zuflucht suchen.

Viele Architekten und Stadtplaner machen sich nicht erst seit heute Gedanken darüber, wie man den schweren Lastkraftwagen aus der Innenstadt verbannen könnte. Nach amerikanischem Muster sollen am Rand der Städte große Umschlagsanlagen geschaffen werden, wo die Ladung der Last- und Sattelzüge von kleineren Lkw und Lieferwagen übernommen werden soll, die anschließend im Stadtgebiet verteilt wird. Nun – auch in den USA begegnet man nicht selten im Herzen der Millionenstädte riesigen Trucks, weil auch die amerikanische Wirtschaft den Vorteil des Haus-Haus-Verkehrs zu schätzen weiß und weil eben große Zeitungsverlage, Lebensmittelfabriken oder Kühlhäuser der City immer noch nicht den Rücken gekehrt haben.

Will man verhindern, daß die Transportkosten in die Höhe schnellen, dann darf man Lastkraftwagen und Lastzügen die Einfahrt in die City nicht verwehren. Daß die Transportunternehmer, die Verlader und die Empfänger auf den Spitzenverkehr am Morgen und am Abend Rücksicht nehmen müssen, dürfte nicht zuletzt in ihrem eigenen Interesse liegen. 33 Autohöfe in Großstädten gibt es schon in der Bundesrepublik, weitere sind geplant – unter anderem in Hamburg, München und in Berlin – Stützpunkte in Citynähe, wo die schwereren Brummer be- und entladen werden können. Reinhold Kunze