Jagen Sie den Stuckmann zum Teufel! Seine Auto-Fahrberichte sind für technische Idioten! Sie enthalten nicht mal das Minimum an technischen Details ... Das schrieb der Leser M. M. aus Frankfurt an die Redaktion. "Weshalb ist ein Kurzhuber besser als ein Langhuber?" wollte die Leserin B. A. aus Essen-Kray nach dem Test des "Citroën DS 21 – Pallas" wissen und fügte hinzu: "Wenn Sie schon mit solchen technischen Ausdrücken umherwerfen, dann sollten Sie auch den Leser wissen lassen, was sie bedeuten und wie sie zu werten sind..." Man kann es keinem recht machen. Die einen wollen viel, die anderen wenig Technik.

Zum ersten Brief meinen wir, daß wir keine Zeitung für Motorfachleute sind. In einer Motorfachzeitschrift können versierte Fahrer auf vielen Seiten alle Details erfahren, die sie wissen möchten. Andererseits – dies zum zweiten Leserbrief – kann man dem motortechnischen Laien nicht noch die einfachsten Dinge erklären, die heute schon interessierte Vierzehnjährige wissen: Worin sich ein Langhuber von einem Kurzhuber unterscheidet oder was die Bezeichnung "Hubraum" bedeutet. Wir wollen, wie immer, den goldenen Mittelweg wählen und setzen voraus, daß die Leser des Verkehrsteils zwar in der Mehrzahl keine Techniker und Motorfexe sind, aber doch wissen, weshalb sich ein Auto ohne Pferd bewegt.

Grenzen müssen wir uns auch setzen bei der Auswahl der Autos. Deshalb werden wir – dem Leserkreis der ZEIT gemäß – einerseits Wagen mit bestem Komfort und vorzüglichen Fahreigenschaften auswählen wie den "Citroën DS 21 – Pallas", den wir vorstellten. Aus der gleichen Überlegung – nämlich der Zusammensetzung des Leserkreises – sollen ferner Wagen geprüft werden, die entweder Stadtwagen – also Zweitwagen – sind oder als preiswertes Fahrzeug, etwa für Studenten, empfohlen werden können. Aus dieser Erwägung schrieben wir über den "DAF" und den "Fiat 500".

Und schließlich scheint es noch der Mühe wert, solche Wagen vorzustellen, die nach Ansicht der Fachleute in Qualität und Leistung aus der Masse hervorragen. Deshalb nahm Heinz D. Stuckmann sich den "Fiat 124" vor.

Interessant wäre sicher auch, einmal diesen und jenen Outsider des Automarktes kennenzulernen: Wie ist der neue "Wartburg" aus der DDR-Produktion, welchen Spaß bietet ein Kleinwagen für den Preis von 10 000 Mark – der "Morris Cooper S" mit 78 PS und 180 Spitze, was ist ein "autonova GT" – eine "Spinnerei" oder der Wagen der Zukunft?

Bleiben wir vorerst in den Grenzen, die eine Autoprüfung setzt. Die Grenzen sind eng. Wagen, die wir prüfen, sind zwar ganz normale Wagen aus der Serienproduktion, aber eben doch besondere Wagen. Denn die verantwortlichen Herren in den Automobilfabriken werden kein "Montagsauto" herausgeben und auch keinen Wagen, bei dem die Endkontrolle gerade nicht aufmerksam besorgt wurde. Das ist verständlich. Den besten – den möglichst besten Wagen bekommt der Auto-Journalist für 10 bis 20 Tage und fährt ihn etliche tausend Kilometer. Vorher hat ihn auch ein anderer gehabt – genau so lange. Aber zwischen dem ersten und dem zweiten Fahrer (oder 24 und 25) war der Wagen zwei bis drei Tage im Werk oder in einer ausgesuchten Vertragswerkstatt. Dort hat man den besten Meister mit einer Generalinspektion betraut, die ein Autobesitzer allenfalls beim Kilometerstand 100 000 machen läßt. Es gibt Meister, die dabei sogar in den Motor schauen. Auch das ist legitim – aber nicht die Norm.

Mit diesem vorzüglich vorbereiteten Auto (und wehe dem Meister, der es nicht ganz besonders vorzüglich vorbereitet!) fahren wir also 10 bis 20 Tage. Jeder Autobesitzer aber muß mit seinem Wagen aus dem Schaufenster ein, zwei oder auch drei Jahre fahren. Er kann ihn nicht alle zwei Wochen zur Generalinspektion geben und den Motor auseinanderbauen lassen. Er braucht seinen Wagen. Er braucht ihn auch noch beim Kilometerstand 89 923. Selbst wenn er ihn dann verkaufen will, soll er noch seinen Wert haben. Ergo: Wie sich ein Wagen beim Kilometerstand 89 923 im dritten Lebensjahr bei Schneefall und 13 Grad minus verhält, wieviel sauer verdiente D-Mark in die Werkstatt getragen werden mußten, wieviel der Wagen dann noch wert ist – das können wir nicht sagen.