Saarbrücken

Wer auf Saarbrückens Strich geht, der geht im Kreise: auf Einbahnstraßen mit nächtlichem Halteverbot rund um die Kirche der katholischen Gemeinde St. Johann. Der offizielle Stadtführer bescheinigt dem Dirnen-Dorado: Es "atme die Atmosphäre einer gemütvollen Kleinstadt, die noch keine Verkehrsprobleme kennt".

Gemeindepastor Prinz von St. Johann allerdings weiß es besser – spätestens seit er kürzlich versuchte, zwei motorisierte Freier auf das Halteverbot aufmerksam zu machen. Für diesen Beitrag zur Lösung der Probleme des ruhenden Verkehrs nämlich wurde er – wie die Lokalpresse voller Akribie registrierte – mit Schimpfwörtern und Handgreiflichkeiten bedacht, eine Treppe heruntergestoßen und vor der Pfarrhaustür schließlich "brutal zusammengeschlagen". Im Viertel der käuflichen Liebe war von Nächstenliebe keine Spur: Passanten gingen eilig weiter, Hilferufe wurden geflissentlich überhört.

Mag Pastor Prinz den Sündern auch vergeben haben, Kirchenvorstand und Pfarrausschuß seiner Gemeinde reagierten mit alttestamentarischer Härte. In einer Entschließung wurden "schärfste Mittel", "tatkräftiges und entschiedenes Eingreifen" und eine "radikale Lösung"gefordert. Der Vorschlag der militanten Pfarrkinder: "Lokalisierung des Übels an abgelegenen Stellen der Stadt, eventuell eine Kasernierung der Dirnen."

Für die Stadtratsfraktion kam der Bürgerunmut keineswegs überraschend. In diversen früheren Protestbriefen hatte es unter anderem geheißen:

"Den ehrbaren Bürger, Geschäftsmann und Handwerker packt die Wut, wenn er sieht..., daß vor seinem Anwesen die Prostitution auf vollen Touren läuft."

"Die Bürger haben ein. Recht, gegen die Anpöbelungen der sittlich Verkommenen geschützt zu werden."