Mit dem Raumflug der amerikanischen Astronauten James Lovell und Edwin Aldrin ist die zweite Phase der amerikanischen Vorbereitungen für die Reise zum Mond, das Projekt "Gemini", abgeschlossen worden. Bald wird die Erprobung der dreisitzigen "Apollo"-Raumflugkapseln beginnen, der Prototypen eines Schiffes, das in zwei bis drei Jahren zum erstenmal Amerikaner zum Erdtrabanten bringen soll. Werden sie die ersten irdischen Besucher auf dem Mond sein?

Die Russen waren die ersten, die einen künstlichen Erdsatelliten um den Globus schickten; sie brachten als erste einen Menschen in den Weltraum; sie veranstalteten die ersten Gruppenflüge mit Raumschiffen und zum erstenmal stieg der sowjetische Oberstleutnant Alexej Leonow während der Erdimrundung aus seiner Kapsel. Aber das in schon Raumfahrt-Geschichte – unterdessen sammelten die Amerikaner mit ihren Versuchsserien wertvolle Erfahrungen.

Systematisch erprobte die NASA die Anpassungsfähigkeit des Menschen an die auf der Erde nicht simulierbare Schwerelosigkeit, die Manövrierfähigkeit von Flugkörpern und die Funktionen der zahllosen elektronischen Geräte, von denen die Sicherheit der Astronauten abhängt. Fast jede dieser Prüfungen erbrachte zunächst unbefriedigende Resultate:

Vierzehn Raumflüge mit 668 Erdumkreisungen, an denen 16 Menschen – sieben von ihnen zweimal – teilnahmen und insgesamt 1757 Stunden schwerelos im Weltraum verbrachten, waren, wie sich herausgestellt hat, gerade ausreichend, um jene Erfahrungen zu gewinnen, die für größere Wagnisse in der Astronautik dringend erforderlich sind.

Diese Erfahrungen fehlen den Russen, die seit über eineinhalb Jahren keinen Menschen mehr in den Weltraum geschossen haben. Die Sowjets haben nur acht bemannte Raumflüge mit elf Kosmonauten durchgeführt, die in 293 Erdumrundungen insgesamt 507,3 extraterrestrische Flugstunden absolvierten.

Zur Zeit halten die Amerikaner in der Weltraumforschung sämtliche Rekorde. US-Astronauten verbrachten im Gemini-6-Experiment die längste Zeit (330,6 Stunden) im Weltraum, sie haben die Rendezvous- und Docking-Technik gemeistert, und die Vereinigten Staaten brachten mit der Saturn-IB-Rakete die bisher größte Nutzlast in eine Satellitenbahn – womit die langgehegte Vermutung, die Russen verfügten über die schubstärksten Raketen, nicht mehr gerechtfertigt ist.