Eine Repräsentativerhebung über den Urlaub der Deutschen im Jahre 1965, vom DIVO-Institut jetzt vorgelegt, kommt etwas spät. Es wurde schon eine vorläufige Bilanz für 1966 gemacht mit ziemlich sicheren Angaben über die Zahl der Bundesbürger, die in diesem Jahr in den Ferien verreisten (fast 30 Millionen) oder zu Hause blieben, die ins Ausland fuhren (47 von 100) oder den Urlaub in der Bundesrepublik verbrachten. Wir berichteten darüber im Reiseteil der ZEIT Nr. 46.

Aber Einzelheiten des DIVO-Berichtes verdienen Aufmerksamkeit, sie geben wichtige Hinweise. Es überrascht gewiß, daß trotz der Vielfalt des Angebotes der Touristikunternehmen 72 Prozent all jener, die 1965 eine Urlaubsreise machten, weder eine fertige Reise gebucht, noch überhaupt ein Reisebüro in Anspruch genommen haben. Unter denen, die überhaupt nicht verreisten, waren in erster Linie die in der Landwirtschaft Beschäftigten, außerdem Familien mit kleinem Einkommen, alte Bundesbürger und Bewohner von Städten unter 10 000 Einwohnern. In erster Linie Geldmangel, aber auch Zeitknappheit waren für die Zuhausegebliebenen ausschlaggebend.

Das beliebteste Ziel der von DIVO ermittelten 10,9 Millionen Bundesbürger im Alter zwischen 16 und 79 Jahren, die 1965 eine Urlaubsreise in Deutschland machten, waren Oberbayern, das Alpenvorland und Allgäu, danach folgten die norddeutschen Küstenländer. Mehr als 100 000 gaben eine Reise in die Großstädte an.

Weit mehr als die Hälfte aller Urlauber reiste 1965 mit dem Auto. 1954 war es knapp ein Fünftel.

Auf die Frage "Was ist Ihnen bei einer Urlaubsreise am wichtigsten entschieden sich 41 von je 100 Befragten für die vorgeschriebene Angabe, "Entspannen, Erholen, Schlafen". Elf und sieben von je 100 verteilten, den Unterschied würdigend, ihre Stimmen auf "Besichtigung von allgemeinen Sehenswürdigkeiten" und "Besuch kultureller Sehenswürdigkeiten". Nur ein Prozent bekannte sich zu "Amüsement, Besuch von Lokalen, Tanz".

Als "nicht repräsentativ" wurden die Antworten reisefreudiger Urlauber auf die Frage: "Wohin würden Sie am liebsten reisen, wenn Sie frei wählen könnten" bezeichnet. 42 von je 100 Nichtrepräsentativen, offensichtlich auf Amerika Ausgerichteten, wählten die USA, 17 Südamerika, 14 Japan. Zehn Prozent schwiegen.

Wie die Deutsche Bank für 1965 ermittelte, hatten die USA den größten Passivsaldo im Reiseverkehr: 4,7 Milliarden Mark, danach folgt die Bundesrepublik mit 2,6 Milliarden. Spanien hatte vor Italien den höchsten Gewinn aus dem Reiseverkehr: 4,3 gegenüber 4,2 Milliarden Mark. 1966 dürften, nach den bisher vorliegenden Zahlen, die deutschen Touristen 6,5 Milliarden im Ausland ausgegeben haben, gegenüber 5,6 Milliarden im vorigen Jahr. Aber auch die Deviseneinnahmen, die ausländische Touristen hereinbrachten, stiegen, und zwar auf 3,2 Milliarden Mark. Das Passivsaldo in der Reisebilanz wird in diesem Jahr 3,2 Milliarden betragen. –dt