Alfred Andersch gehört nicht zu den Stillen im Lande, sondern zu den Stillen außer Landes, zu den Gutwilligen, Freiheitsgläubigen von 1945, die sich — vielleicht zu früh — zurückgezogen, die resigniert haben, ernst und ernst zu nehmen, grüblerisch nach gut deutscher Art, aber das Grübeln im Denken, im Gedanken, in der hellen, festen Formulierung klärend "Liebhaber des Halbschattens", so hieß sein zu wenig beachteter letzter Erzählungsband. Der Titel war charakteristisch für die Bemühung um die genaue Nuance, um eine zarte Klassik, die allerdings gegen das Simplizianische und Pantagruelische bei Grass, gegen dieses schmetternde Neubarock, nicht leicht aufkommen kann.

Von einer Zeichnung, die Andersch bei einem römischen Antiquar erstanden hat, sagt er, sie sei nichts weiter als ein braves Skizzenblatt, "doch Solche Skizzen — ob nur brav oder mehr, werden wir gleich sehen — legt er nun von eigener Hand vor — Alfred Andersch: "Aus einem römischen Winter", Reisebilder; Walter Verlag, OltenFreiburg; 116 S, 12 — DM.

Der Untertitel "Reisebilder" ist mit Bedacht gewählt. Er erinnert an Heine, den Erfinder der Gattung, und läßt zugleich die Distanz ermessen. Heine parodierte den romantischen Reiseroman, mit einem Gedicht fing er an ("Auf die Berge will ich steigen, wo die dunklen Tannen ragen"), aber die Prosa wurde durch den klassisch gewordenen Satz eingeleitet: "Die Stadt Göttingen, berühmt durch ihre Würste und Universität, gehört dem Könige von Hannover und enthält 999 Feuerstellen, diverse Kirchen, eine Entbindungsanstalt, eine Sternwarte, einen Karzer, eine Bibliothek und einen Ratskeller, wo das Bier sehr gut ist " Diese kecken Feuilletons sind inzwischen fast