einer Klage beim Wiesbadener Verfassungsgericht gegen das in der hessischen Landesverfassung niedergelegte Aussperrungsverbot will sich der Arbeitgeberverband der hessischen Metallindustrie freie Hand für die erwarteten harten Auseinandersetzungen um künftige Lohnforderungen der Gewerkschaft verschaffen. Als einziges Bundesland verbietet Hessen den Unternehmern die Aussperrung von Arbeitnehmern als Mittel gegen Kampfmaßnahmen der Gewerkschaften.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ist die Aussperrung jedoch nur in Ausnahmefällen gegen streikende Arbeitnehmer verwandt worden. Seit 1960 kam es lediglich zweimal in nennenswertem Umfang zu einem derartigen Schritt der Arbeitgeber. 1963 wurden in 154 bestreikten Betrieben der Metallindustrie in Baden-Württemberg 215 500 Arbeitnehmer ausgesperrt, wodurch 967 900 Arbeitstage verlorengingen. Im vergangenen Jahr sperrten sieben von 20 bestreikten Firmen 640 Belegschaftsmitglieder aus, die 11 000 Arbeitstage feiern mußten. 1962 und 1966 wurde diese Maßnahme jeweils nur einmal bei kleineren Firmen eingesetzt. mh.