Unser Kritiker sah:

IPHIGENIE AUF TAURIS

Schauspiel von Johann Wolfgang Goethe

Landestheater in Darmstadt

Residenztheater in München

Auf zwei Bühnen sind Neuinszenierungen der "Iphigenie" zu sehen, in denen die Regisseur-Intendanten Gerhard F. Hering (Darmstadt) und Helmut Henrichs (München) junge Menschen durch junge Hauptdarsteller anzusprechen suchen.

Radikal ist Hering zu Werke gegangen. Er läßt die Iphigenie von der begabten Witta Pohl als ein junges Mädchen spielen, das ausschließlich vom Heimweh beherrscht wird. Die Regie mißachtet die im Text enthaltenen Hinweise auf die Altersrelationen. Durch die Ausklammerung des Priestertums bei Iphigenie fällt ein interessantes Licht auf König Thoas. Anfried Krämer gibt nicht den kaum gezähmten Barbaren, sondern einen ebenfalls noch ziemlich jungen Mann, der unversöhnt zu Boden stürzt, als die vergeblich umworbene Braut dem begnadigten Brüderchen Orest nachrennt. Als optischer Eindruck haftet die überdimensionale Bühnen-Ellipse von Ruodi Barth.