Wer sich beim Aktienkauf dem Rat eines Fachmanns anvertraut, wer die Auswahl der Aktien den Fachleuten einer Investmentgesellschaft überläßt, sollte sich darüber keinen Illusionen hingeben – den Fachmann, der stets mehr aus Ihrem Geld macht, gibt es nicht, auch wenn manche Werbeparolen einen anderen Eindruck erwecken.

Der Fachmann verfügt über ausführlichere Informationen als der Laie. Der Fachmann kann Tips geben für kurzfristige Spekulationen. Und wer sich danach richtet, hat manchmal Glück – oftmals aber auch Verluste. Hohe Verluste, die durch kurzfristige Spekulation entstehen können, suchen die Investmentgesellschaften zu vermeiden. Sie trachten danach, solche Aktien auszuwählen, die auf lange Sicht gute Erfolgschancen bieten. Chancen sind aber noch keine Erfolge. Auf größere Risiken lassen sich deutsche Fonds nicht ein. Die Verluste sind begrenzt, aber dementsprechend halten sich auch die Gewinne in verhältnismäßig engen Grenzen. Für Leute, die schnell reich werden wollen, ist also die Geldanlage in Investmentanteilen nicht zu empfehlen.

Wenn dennoch manchmal der Eindruck entsteht, bei den Fonds ließen sich erstaunliche Gewinne erzielen, so ist das eine optische Täuschung. Manche Fondsverwalter operieren in ihren Erfolgsbilanzen gern mit großen Zahlen. Da wird beispielsweise von "900 Prozent Gewinn innerhalb von 15 Jahren" gesprochen. Wenn man genauer hinsieht, wird tatsächlich ein jährlicher Gewinn von 17 3/4 Prozent angeboten – eine immer noch eindrucksvolle Zahl, die aber bei weitem nicht so attraktiv wirkt wie die genannten "900 Prozent". Dahinter steckt vielleicht nicht so sehr der Wunsch, mit verblüffenden Gewinnen neue Kunden anzulocken, als vielmehr eine tief eingewurzelte Scheu vor der Zinseszinsrechnung.

Dabei liegen die Dinge ganz einfach: Zinsen, die man sich nicht auszahlen läßt, sondern zum Kapital schlägt, bringen nach einem Jahr selber auch wieder Zinsen. So bedeutet eine Kapitalverdoppelung in 10 Jahren nicht etwa einen Zinssatz von 10 Prozent, sondern schon bei 7,2 Prozent Jahreszinsen nimmt das Kapital in 10 Jahren um 100 Prozent zu. Noch einfacher wird die Rechnung mit einem Zinssatz von jährlich 10 Prozent. Nach einem Jahr sind aus 10 000 erst 11 000 Mark geworden, am Ende des zweiten Jahres kommen 10 Prozent von 11 000 Mark also 1100 Mark dazu, nun werden also im dritten Jahr 12 100 Mark verzinst, und schon nach 7 Jahren hat man tatsächlich 19 487 Mark auf dem Konto. "100 Prozent Gewinn innerhalb von 7 Jahren und 1000 Tagen" klingt sicherlich viel eindrucksvoller als "10 Prozent jährlicher Gewinn", was aber tatsächlich dasselbe bedeutet. Der Vorteil der Aussage über den "jährlichen Gewinn" (unter Berücksichtigung der Zinseszinsrechnung) besteht jedoch darin, daß nur diese Aussageform den unmittelbaren Vergleich mit anderen Kapitalanlagen (Spareinlagenzins, Pfandbriefverzinsung usw.) zuläßt.

Und noch einen zweiten Punkt sollte derjenige beachten, der die Aussagen der nebenstehenden Tabelle über die Entwicklung der Fonds mit denen der Fondsverwalter vergleicht: Bei den Investmentgesellschaften scheint es sich mehr oder weniger eingebürgert zu haben, zur Beurteilung der langfristigen Entwicklung einfach die Ausgabepreise am Anfang und am Ende des betreffenden Zeitraums miteinander zu vergleichen und zu dieser Differenz die inzwischen ausgeschütteten Beträge hinzuzuzählen. Man tut also so, als wären die vor Jahren ausgeschütteten Beträge heute noch in genau der Höhe verfügbar. Diese Annahme erscheint als recht willkürlich. Wohl kaum jemand dürfte die Barausschüttungen einfach in den Sparstrumpf stecken. Zumindest sollte man Bargeld, das man nicht gleich wieder ausgibt, auf ein Bank- oder Sparkonto einzahlen – auf daß es Zinsen bringe. Noch näher scheint uns die Annahme zu liegen, daß der Investmentsparer Barausschüttungen, die er nicht zur Bestreitung seines Lebensunterhalts benötigt, wieder in weiteren Fondsanteilen anlegt. Ein solches Vorgehen wird vielfach durch einen besonderen Wiederanlagerabatt unterstützt. Wir tun hier deshalb so, als würden alle ausgeschütteten Beträge zur Wiederanlage im gleichen Fonds verwandt – ähnlich wie es bei den "Wiederanlagefonds", die auf Barausschüttungen ganz verzichten, automatisch geschieht. Diese Annahme ist willkürlich, aber sie erleichtert den Vergleich zwischen Fonds mit unterschiedlicher Ausschüttungspolitik.

Glanzvolle Gewinne darf niemand von den Investmentverwaltern erhoffen, und wenn man nach unserer Berechnungsmethode versucht, ein realistisches Bild von Gewinnen und Verlusten in den letzten Jahren bei den in der Bundesrepublik verwalteten Fonds zu gewinnen, dann erhält man Zahlen, die tatsächlich keineswegs glanzvoll aussehen. In den letzten drei Jahren ergaben sich für alle Aktienfonds Verluste, nur der einzige Immobilienfonds in unserer Tabelle weist einen Gewinn auf. Die Verluste erreichten in einem Fall 8,6 Prozent, in einem anderen Fall gar 9,5 Prozent jährlich. Wer vor drei Jahren Anteile an Aktienfonds erworben hat und diese Anteile heute wieder verkauft, ist ein gutes Stück ärmer geworden.

Das ist jedoch kein Beweis für absolute Unfähigkeit der Fondsverwalter. Das zeigt die letzte Zeile in unserer Tabelle. Hier haben wir notiert, wie es einem Aktiensparer gegangen wäre, der seinen Aktienbesitz ohne fachmännische Beratung einfach aus allen deutschen Aktien zusammengestellt hätte. Unsere Berechnung beruht auf dem Aktienindex, wie ihn das Statistische Bundesamt in Wiesbaden regelmäßig ermittelt, unter Berücksichtigung von Dividenden, Spesen und Depotgebühren. Hier entstand ein jährlicher Verlust von 6,6 Prozent in den letzten drei Jahren. Die Tendenz an unseren Börsen war eben ganz allgemein nach unten gerichtet – dagegen haben die Fondsverwalter nichts oder nur wenig auszurichten vermocht.