Von Eckhart Schmidt

Jerry Lewis wird aller Voraussicht nach nicht das Schicksal von Buster Keaton, Laurel & Hardy oder den Marx Brothers teilen, die fast vierzig Jahre auf ihre Entdeckung beziehungsweise Rehabilitierung warten mußten.

Jerry Lewis ging offiziell 1960 unter die Regisseure und wird seit dieser Zeit heftig diskutiert. Entdeckt wurde Lewis in Frankreich, wo man ihn unter Cineasten mittlerweile unangefochten als das einzige komische Genie seit zwanzig Jahren feiert, beschimpft wurde Lewis vor allem in der Bundesrepublik, wo man ihn, um die meisten Artikel auf einen Nenner zu bringen, zum bedenklichen Vertreter einer bedenklichen, bislang allerdings nicht sonderlich bekannten Ideologie, der "Jeder-hat-eine-Chance"-Ideologie, abgestempelt hat.

Jerry Lewis hat eine kometenhafte Karriere hinter sich: Mit 14 Jahren gibt er sein Theaterdebüt, mit 20 tritt er als Partner von Dean Martin in Nachtklubs und im Fernsehen auf, danach holt ihn Produzent Hal Wallis nach Hollywood. Dort wird Lewis, zusammen mit Dean Martin, Star einer Reihe von 16 Filmen.

1956 – Lewis ist 30 – trennt sich das Paar Lewis/Martin auf der Höhe des Erfolgs mit einem Eklat: Lewis hatte immer nachdrücklicher in das Script und die Regie der Filme eingegriffen, Martin fühlte sich benachteiligt und zog die Konsequenzen, obwohl Lewis seine Arbeit in keinem Vorspann kreditieren ließ. Es folgen sechs Filme als Solo-Komiker; die besten sind "The Sad Sack" und "Rock-a-bye Baby". 1959 schließt Lewis mit der Paramount einen Sieben-Jahres-Vertrag als Produzent ab, ein Jahr später debütiert er mit "The Bellboy" als Autor und Regisseur.

In den letzten sechs Jahren hat Lewis sieben Filme unter eigener Regie gedreht – "The Bellboy", "The Ladies’ Man", "The Errand Boy", "The Nutty Professor", "The Patsy", "The Family Jewels" und "Three on a Couch" – und vier Filme unter anderen Regisseuren, darunter "Who’s Minding the Store?", Regie Frank Tashlin, und zuletzt "Way, Way Out", Regie Gordon Douglas.

Voriges Jahr verließ Lewis die Paramount: Sein Vertrag wurde nicht verlängert, weil Lewis – keiner seiner Filme hat unter 5 Millionen Dollar eingespielt – angeblich zu hohe Forderungen stellte und weiterhin selbst Regie führen wollte. "Drei auf einer Couch" erscheint nun bei der"Columbia", "Way, Way Out bringt die Centfox heraus.