"Drei auf einer Couch" markiert zweifellos eine neue Phase in Lewis‘ Arbeit. Es ist ein Film der Krise: Lewis unternimmt hier den Versuch, seine Komiker-Persönlichkeit von innen heraus umzuformen, um seiner persönlichen Entwicklung und gleichzeitig dem älter werdenden Lewis-Publikum Rechnung zu tragen. Er bringt ein Element ins Spiel, das seinen ersten fünf Filmen bezeichnenderweise fehlt und erst am Schluß des sechsten eine interessante Rolle spielt: die List. Jerry Lewis, so scheint es, sieht heute die Welt verstandesmäßiger, leidenschaftsloser, abgeklärter, erwachsener. Die instinktmäßig um Anerkennung ringende Gestalt, die ihn berühmt gemacht hat, ist für ihn heute offensichtlich Vergangenheit. Seine ersten fünf Filme waren die Alpträume eines von seiner Umwelt malträtierten Einzelgängers –

– in "The Bellboy" (1960) spielt er einen Hotelpagen, der von Befehl zu Befehl gehetzt wird. Er gibt sein Bestes, richtet aber, unfähig sich zu integrieren, nichts als Unheil an. "Keine Widerrede!" schallt es ihm entgegen, sobald er einen Einwand formulieren will. Also schweigt er. Erst am Ende des Films, gerade als er auf den Tisch hauen will, um seine Sympathie mit den streikenden Pagen zu bekunden, entdeckt man überrascht, daß er sprechen kann. Er manifestiert sich als Persönlichkeit.

– in "The Ladies‘ Man" (1961) hetzt Jerry wie von Furien gejagt durch den Park eines College: ein sportiver Rivale hat ihm sein Mädchen ausgespannt. An die Stelle der Befehle tritt ein Komplex: der Horror vor Frauen. Nach qualvollen Tagen in einem Damenpensionat und dem traumatischen Kampf mit einer Vampir-Frau findet er schließlich Befreiung.

– in "The Errand Boy" (1962) soll Jerry im Auftrag der Paramutual-Bosse die Studios durchschnüffeln, um herauszukriegen, wer das ganze schöne Geld verschleudert. Nicht bewußt, aber instinktiv rebelliert er gegen diesen entwürdigenden Job, stellt die ganzen Studios auf den Kopf und treibt die Unkosten in schwindelerregende Höhen. Schließlich wird er als Komiker entdeckt und macht ("Wer sich selbst nicht liebt, kann nicht erwarten, von den anderen geliebt zu werden!" ist das Resümee dieses disteren, bösartigen Films) eine steile Karriere.

– in "The Nutty Professor" (1963) stellt Jerry als malträtierter Chemie-Professor ein Präparat her, um dem Terror seiner Schüler gewachsen zu sein. Der häßliche, krächzende Professor verwandelt sich allabendlich in einen kraftstrotzenden Idealtyp amerikanischer Erziehungsmethoden, in einen "Buddy Love". Doch die von Professor Kelp damit vollzogene Anpassung an die Normen der Umwelt ist keine Lösung des individuellen Konflikts mit der Gesellschaft: Buddy Love verwandelt sich in den linkischen Professor zurück. Dieser wird versuchen, sich mit sich selbst abzufinden.

– in "The Patsy" (1964) fand Lewis für den Druck auf das Individuum noch ein persönlicheres Bild: Er wird nach allen Regeln der Kunst darauf gedrillt, den Platz eines toten Komikers einzunehmen. Das Unterfangen endet jedoch mit einer Katastrophe – bis Jerry alles, was man ihm eingetrichtert hat, ignoriert, es aufgibt, einer Schablone nachzuäffen, und sich selbst verwirklicht.

In "The Family Jewels" (1965) zeichnet sich de erste Wende ab. Erzählt wird die Geschichte eines Mädchens, das sich aus einem Angebot von sechs Onkeln (sie werden alle von Jerry Lewis dargestellt) einen Adoptivvater suchen soll. Die Onkel haben sich zwar nach der Moral der vorhergegangenen Filme selbst verwirklicht, aber sie sind so in sich befangen, daß sie jeden Kontakt zur Umwelt verloren haben. Abgestoßen von ihrem Egoismus wendet sich Donna ihrem Chauffeur Willard (ebenfalls Jerry Lewis) zu. Doch dieser hat, da er kein Verwandter Donnas ist, keinerlei Vater-Chancen. Willard, der Donna aufrichtig liebt, ist die exemplarische Gestalt des Films. Er weist in die Zukunft seines Erfinders. Hier spielt Lewis zum erstenmal eine Figur, die einen ungebrochenen Kontakt zur Umwelt besi:zt. Willard und Donna bilden, wie später Chris und Liz in "Three on a Couch", ein Paar, das wünsch- und konfliktlos glücklich sein kann. Um diesen Zustand aufrechtzuerhalten, muß Willard am Ende des Films zur List greifen: Er schlüpft in die Gestalt des egozentrischsten Onkels, des Clowns, und kriegt Donna zugesprochen.