"Drei auf einer Couch" (1966) ist zunächst die direkte Fortsetzung. Der Künstler Chris Pride hat in einem Wettbewerb soeben den 1. Preis gewonnen, der mit einem Betrag von 10 000 Dollar verbunden ist und mit dem Auftrag, die Wände eines Pariser Regierungsgebäudes auszuschmücken. Jetzt endlich wäre Chris in der Lage, seine Verlobte, eine renommierte Psychiaterin, zu ehelichen und ihr gleichzeitig eine Hochzeitsreise nach Paris zu bieten. Doch Dr. Elizabeth Acord ist im Moment unabkömmlich: Drei von den Männern frustrierte Patientinnen setzen ihr so zu, daß sie sich nicht entschließen kann, sie einfach im Stich zu lassen. Da die Behandlungsmethoden seiner Verlobten keinerlei Erfolg zeitigen, sieht Chris keine andere Möglichkeit, zu seinem Eheglück zu kommen, als die Heilung der drei Männeropfer heimlich selbst in die Hand zu nehmen.

Diese Heilungsprozedur wird eine kritischkomische Reflexion von Jerry Lewis über sich selbst, seine Komiker-Persönlichkeit und sein Verhältnis zum Publikum.

Er heilt nämlich die drei Mädchen von ihrer Neurose, indem er sich entschließt, ihren Traummann Wirklichkeit werden zu lassen: Der einen erscheint er als Ringo Raintree, "König der Cowboys" (eine Anspielung auf seine Rolle in "Pardners"), der anderen als verklemmter, scheinbar hochgebildeter Zoologie- und Botanik-Fachmann (hier stand der "Verrückte Professor" Pate), der dritten als durchtrainierter Sportsmann (auch das ein Zitat aus dem "Nutty Professor). Natürlich ist er faktisch sowohl als Cowboy wie auch als Wissenschaftler und Sportsmann ein eklatanter Versager. Doch das schmälert den Erfolg der Kur keineswegs.

Jerry Lewis läßt sich hier bewußt zurückfallen in das egoistische Stadium seiner Entwicklung und legt dar, was diese Phase seiner Arbeit für ihn bedeutete: die Möglichkeit, mit seinen Rollen dem Publikum (hier von Liz und den drei Patientinnen verkörpert) und sich zu helfen – Film und Rolle als ein Akt der Befreiung von einem gewalttätigen, nivellierenden Alptraum.

Jerry Lewis, der Komiker-Star, häutet sich unter den kritischen Blicken von Jerry Lewis, dem Regisseur. Die alte, bis zu "The Patsy" hin verwendbare Komiker-Persönlichkeit wird in die Distanz gerückt. Ihre positiven und negativen Aspekte werden nüchtern abgewogen.

Wie wird es weitergehen? Vieles spricht dafür, daß – in den Augen von Jerry Lewis, dem Regisseur –, die Zeit des Komikers Jerry Lewis, wie ihn die Welt kennt, vorbei ist. Die beiden letzten Filme lassen keine andere Schlußfolgerung zu. Wer ihr mißtraut, kann sich an eine äußere Tatsache dieser Entwicklung halten: Jerry Lewis bereitet (nach einem Script von Woody Allen) einen Film vor, in dem er nur noch Regie führen und nicht mehr spielen wird. Das heißt natürlich nicht, daß sich Jerry Lewis unter anderen Regisseuren (wie jetzt in "Way, Way Out") nicht immer wieder seiner alten Gestalt bedienen wird. Vielleicht auch wird es ihm nach einer Übergangszeit gelingen, seine Komiker-Persönlichkeit so neu zu formulieren, daß er wieder an sie glauben kann. Noch scheint er jedenfalls keinen überzeugenden Weg zu einer "erwachseneren Komik" zu kennen: Sowohl der listenreiche Chris als auch Willard sind farblose, unprofilierte Figuren.

In der letzten Sequenz von "Drei auf einer Couch" inszeniert Jerry Lewis eine riesige Party, auf der er sich aller Alpträume entledigt, die ihn in seinen ersten fünf Filmen heimgesucht haben: Die beklemmenden Aufzugsszenen aus "The Bellboy" und "The Errand Boy" werden hier ins Monströse gesteigert, die Party- und Ballszenen aus "The Patsy" und "The Nutty Professor" feiern chaotische Auferstehung, das Motiv des Eingekeiltseins aus "The Bellboy" und "The Errand Boy" und das Verfolgungsmotiv aus "The Ladies’ Man" werden noch einmal aufgegriffen.

Die suggestive Wirkung dieser Sequenz erinnert an die Verwandlungsszenen im "Verrückten Professor", und sie hat für Jerry Lewis selbst wahrscheinlich eine vergleichbare Bedeutung. Die Welt des Komikers Jerry Lewis wird noch einmal vergegenwärtigt, während die Verwandlung des Komikers Jerry Lewis in den Regisseur Jerry Lewis ihren Abschluß findet. Und was den Regisseur Lewis betrifft: Er ist, darin sind sich selbst seine Gegner einig, einer der brillantesten jungen Regisseure Hollywoods.