Anton Bruckner: Messe e-moll; Gächinger Kantorei, Figuralchor der Gedächtniskirche Stuttgart, Spandauer Kantorei, Bläser des Bach-Collegiums, Stuttgart, Leitung: Helmut Rilling; Bärenreiter-Musicaphon BM 30 SL 1330, 21,– DM.

Drei renommierte Chöre haben sich zusammengetan, und der Klangfülle scheinen keine Grenzen mehr gesetzt. Aber die Masse, die der Kraftausladung so gut bekommt, macht es nicht allein. Denn diese Chöre können auch leise singen. Und gerade die verhaltenen Stellen mit ihren harmonischen Reibungen sind die Höhepunkte der Wiedergabe.

Artur Rubinstein: Liszt: Sonate h-moll; Schubert: „Wanderer“-Fantasie; Teldec LSC 2871, 21,– DM.

Alte Grandseigneure des Klaviers gibt es noch einige von großem Namen. Ihre Sache ist durchweg ein „Al-Fresco“-Spiel, das Weite atmet und sich mit Kleinigkeiten nicht aufhält. Aber mir scheint: Rubinstein ist der Größte unter ihnen, weil er zugleich die Details auspoliert. Jede Note in den vielen virtuosen Partien sitzt genau.

Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 9 d-moll; Sutherland, Horne, King, Talveda, Chor der Wiener Staatsoper, Wiener Philharmoniker, Leitung: Hans Schmidt-Isserstedt; Teldec SXL 6232, 25,– DM.

Eine „entmythologisierte“ Neunte Sinfonie, „A Ninth to live with it“, wie ein englischer Disc-Kritiker schrieb. Eine Wiedergabe, die nicht gleich in den ersten Takten das Pathos verbraucht, sondern es abstuft und sich entwickeln läßt, damit es sich auf den Höhepunkten voll entladen kann. Dabei wird der Ausdruck des Gewaltigen nie übersteigert, sondern es sind zugleich die melodischen Einschübe und die großen gesanglichen Linien, die Schmidt-Isserstedt liebevoll nachzeichnet. Auf keiner anderen Schallplatte bewegt sich der langsame Satz so einfach dahin und rührt doch den Hörer so stark an.