Von Peggy Rice

Fellmützen, Schlitten, Iglus, Tran – sehr viel mehr ist es nicht, was einem Mitteleuropäer einfällt, wenn er das Wort "Eskimo" hört. Dabei sind die Assoziationen, die ihm bei diesem Wort kommen, durchaus nicht unfreundlich, was wiederum vielleicht damit zusammenhängt, daß er Eskimos wenn überhaupt, dann aus Bilder- und Kinderbuchzeiten her kennt.

Daß die Eskimos auch anderes können als Fellmützen tragen, Schlitten ziehen, Iglus bauen und nach Tran riechen, nahmen die zahlreichen Besucher, die sich zur Vernissage der Ausstellung "Kunst der Eskimos" in der Düsseldorfer Tecta-Galerie eingefunden hatten, erstaunt zur Kenntnis. Mancher, der hier zwischen zwei Partys hereinschaute, mußte, nach einem Blick über den Rand des Sektglases, zugeben, daß den Kinderbuchvorstellungen doch ein neues Kapitel hinzuzufügen sei. Die Kunst der Eskimos verdient durchaus den Namen Kunst.

Daß die Kanadier selber dieser Ansicht sind, ist übrigens noch gar nicht so lange her. Vor rund fünfzehn Jahren wäre in Kanada kaum ein Mensch auf den Gedanken gekommen, Eskimo-Kunst auszustellen, und wenn heute der kanadische Botschafter aus Bonn herüberkam und selber stolz die Ausstellung eröffnete, so soll man sich darüber freuen. Das etwas düstere Kapitel "Eskimo", das in amerikanischen und kanadischen Geschichtsbüchern gern übergangen wird, ist damit zwar noch nicht vergessen oder abgeschlossen, aber gerade Ausstellungen wie diese hier tragen ihr Teil zum hoffentlich guten Ende bei.

"Die am drastischsten unterprivilegierte Gruppe in der ökonomischen Hierarchie der Vereinigten Staaten" nannte Katharine Kuh die Eskimos noch kürzlich in einem Artikel in der Saturday Review‚ und obwohl damit nur die amerikanischen Alaska-Eskimos gemeint waren, ist es auch für die Kanadier noch ein recht neues Erlebnis, in den Eskimos etwas anderes zu sehen als Menschen niederer Sorte. Bis vor kurzem hat sich auch in Kanada niemand sonderlich für die Eskimos interessiert und sie, wie es mit "Minoritäten" nun einmal so ist, getrost sich selbst und ihrem oft nicht rosigen Schicksal überlassen.

Kaum zwölftausend Eskimos sind es, die in Kanada, in kleinen Gruppen über ein Gebiet von mehr als einer Million Quadratkilometer verstreut, an den steinigen Ufern rund um die Hudson Bay und auf den unfruchtbaren Baffin Islands leben. Sie wohnen in Schneehütten oder Zelten aus Tierfell und ernähren sich vorwiegend von dem, was sie zu Wasser und zu Lande erjagen.

Ihre Kunst ist mit ihrer Lebensweise auf das engste verknüpft. Daß fast Dreiviertel aller erwachsenen Eskimos sich in dieser oder jener Form künstlerisch betätigen, erstaunt nicht, wenn man weiß, daß der Winter dort die längste Jahreszeit ist und daß die Eskimos diese Zeit vorwiegend in ihren Häusern, Hütten und Zelteil verbringen. Und die Thematik dieser Kunst ergibt sich zwanglos aus dem anderen Teil dieses Lebens, der Jagd, der Verbundenheit mit Tieren und der Natur.