Rekordleistungen konnte die deutsche Wirtschaft in den letzten Monaten kaum noch melden. Die Zeiten, in denen die Bundesrepublik die höchsten Wachstumsraten der Produktion oder der Exporte innerhalb der EWG vorweisen konnte, sind vorläufig vorbei. Dafür wurden Spitzenleistungen anderer Art gemeldet. Das durchschnittliche Zinsniveau ist in den letzten zwölf Monaten in Deutschland am stärksten gestiegen. Die Renditen für Staatsanleihen und Industrieobligationen sind in der Bundesrepublik höher als in allen anderen Industrieländern. Wenigstens die Sparer könnten sich über die Entwicklung freuen, wenn nicht gleichzeitig die Kurse ihrer Wertpapiere so stark gesunken wären. Wer jetzt verkaufen muß, hat hohe Verluste. Besonders drückend ist das Zinsniveau für die Industrie, die für das geliehene Kapital mehr aufwenden muß als ihre Konkurrenz im Ausland. Gleichzeitig sind die Löhne und Gehälter in der Industrie im ersten Halbjahr 1966 um 8 Prozent gestiegen. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exportindustrie ist also von der Kostenseite her ernsthaft bedroht.