Wie ein gütiger Onkel reiste der sowjetische Staatspräsident Nikolai Podgorny durch die österreichischen Lande. Die Österreicher mochten sein leutseliges Wesen und registrierten dankbar, daß sich seine charmante Reisebegleiterin, Tochter Natascha, den Gastgebern sogar in der Kleidung anpaßte.

Aber beim Abschied am Montag mischte der Gast aus dem Kreml ein paar Tropfen Wermut in den schäumenden Wein der Koexistenz. Mit der Härte, wie man sie gemeinhin von Sowjetführern erwartet, bedeutete er den Österreichern, daß jedes Arrangement Österreichs mit dem Gemeinsamen Markt, in welcher Form auch immer, einen Schritt vom Wege der Neutralität bedeuten würde. Noch einige Tage zuvor hatten die Österreicher ihn so verstanden, daß Moskau gegen einen Handelsvertrag zwischen Wien und der EWG nichts einzuwenden hätte.

Die Österreicher durch jahrelange Bemühungen um den Staatsvertrag im geduldigen Umgang mit den Sowjets erfahren, wollen jedoch zäh an ihrem Willen festhalten, besondere Beziehungen zur EWG herzustellen. Allerdings darf Bundeskanzler Klaus die Sowjets nicht vor den Kopf stoßen, da er ihre Zustimmung braucht, um das österreichische Bundesheer mit Boden-Luft-Raketen auszurüsten.