Von Pat Garian

Der untersetzte Mann im zerdrückten grauen Anzug paßt nicht in seine Umgebung. Das grüne Nylonhemd, der karierte Schlips und die Stoffschuhe bilden einen krassen Gegensatz zur Eleganz der Golfspieler. Aber ihn stört das nicht. Der Mann mit dem Gesicht eines russischen Bauern scheint seine Umgebung nicht einmal wahrzunehmen. Er bewegt sich mit der Gelassenheit eines Menschen, der in seiner eigenen Welt lebt. Einer Welt grauer Erinnerungen und bunter Pläne. Das Haus des Golf-Clubs von Luzern ist für ihn nur eine Zwischenstation, eine von unzähligen der letzten sieben Monate.

Valerij Tarsis, der sich im vergangenen Februar entschloß, von einer Vortragsreihe in England nicht mehr nach Moskau zurückzukehren, hat ein neues Buch geschrieben: Es ist das erste, das in der Emigration entstand, im kommenden Jahr soll es im Verlag C. J. Bücher erscheinen, und seine Luzerner Verlegerin hat ihm das stille Refugium hoch oben über dem Vierwaldstätter See zur Verfügung gestellt. In dem kleinen, holzgetäfelten Zimmer, wo auf dem Bett ausgebreitet Manuskriptseiten liegen, riecht es nach frischgeschnittenem Gras, durch die offenen Fenster sieht man in dichte Baumkronen.

"Luzern ist ein Paradies", sagt Tarsis, "ein stilles Paradies. New York war eine feuchte, heiße Hölle, nur Steine und Papier, man hat das Gefühl, die Stadt ist bedeckt mit Zeitungspapier. Und die Journalisten mit ihren Interviews, und die Photographen und die Leute vom Fernsehen, es war schrecklich, sie waren überall, ich konnte nicht essen, nicht trinken, nicht allein sein, man hat mir immer auf die Schultern geschlagen, hailoh, Mr. Tarsis, how are you, was denken Sie über dies, Mr. Tarsis, und über das, bitte sprechen Sie ins Mikrophon, Valerij, hierhersehen und lächeln..."

Er ist aufgesprungen, schlägt sich selbst auf die Schulter, reißt an seinem Jackett, rudert mit den Armen durch eine unsichtbare Menschenmenge, um mir die Qualen einer New Yorker Pressekonferenz zu demonstrieren.

Er spricht leise und schnell englisch mit einem Akzent, an den man sich erst gewöhnen muß, spricht ohne Komma, Punkt und Pause. Seit er Rußland verließ, hat er Vorträge in zweiundfünfzig Städten gehalten. Er war in England, Belgien, Italien, der Schweiz, in Frankreich, den USA, Kanada, Island und Griechenland. Die Sowjetregierung hatte seinen Paß für ungültig erklärt und ihm die russische Staatsbürgerschaft entzogen. Er reiste ohne Dokumente, angewiesen auf Verständnis und Entgegenkommen der Behörden. Seit wenigen Wochen hat er wieder eine Staatsbürgerschaft: die griechische.

"Warum gerade Griechenland?"