Jede vierte Deutsche trägt ihn, jede zweite möchte ihn

Von Sybil Gräfin Schönfeldt

Preise werden nicht gern genannt. "Sehen Sie", heißt es bei Pelzschauen, "das kommt immer ganz auf die Kundschaft eines Geschäftes an. Und außerdem: das ist ja das Schöne beim Pelz. Wenn eine Frau nur 800 Mark hat, dann kann sie ein erstklassiges Stück in dieser Preislage bekommen. Und wenn sie 8000 hat, dann kann ihr der Händler eben in der Preislage das Beste zeigen."

Pelzpreise, das stellt sich rasch heraus, sind so persönlich, wie es der Pelzmantel für die Gnä’ Frau sein soll. Ein Modell – Einkaufspreis 11 000 Mark – kann in einem Pelzsalon in Mannheim für 18 000 Mark angeboten werden und in Köln für 36 000 Mark. Es "kommt ganz auf die Kundschaft an". Ist so viel im Pelzpreis drin?

Kundschaft und Preise sind noch so jung, daß jedes Pelzjahr seine Überraschung bringt. So stellten die Rauchwarenhändler 1962 fasziniert fest, daß der Umsatz um zehn Prozent (auf 600 Millionen Mark) gestiegen war, obwohl die Aktienkurse gesunken waren. Sie konnten trotzdem sagen: "Das beste Pelzjahr nach dem Krieg!"

Und 1963, als die Preise für Persianer durch die gestiegene Nachfrage um zehn bis fünfzehn Prozent emporschnellten (nur Nerz blieb konstant), flaute das Geschäft auch nicht ab. Man kaufte freilich vor allem Pelzmützen: viel Pelzgefühl für wenig Geld..

Dreimal soviel Persianer