Unternehmer und Konjunkturforscher, die auf eine Lockerung der Kreditschraube drängen, haben einen Verbündeten bekommen: die amtierende Bundesregierung. Minister Schmücker und sein Staatssekretär Langer versuchten vor und während der letzten Sitzung des Zentralbankrates in der vergangenen Woche hartnäckig, Bundesbankpräsident Blessing und seine Mitstreiter zum Einlenken zu bewegen. Bonn zieht mit Frankfurt offensichtlich nicht mehr an einem Strang.

Das ist wichtig zu wissen, aber Anlaß zur Freude besteht wahrhaftig nicht. Die Konjunktur kommt auch nach einer Senkung des Diskonts oder der Mindestreserven nur in Fahrt, wenn die Unternehmer mehr investieren. Ob eine Erweiterung des Kreditspielraums im Augenblick die Investitionen erleichtern würde, ist indessen mehr als fraglich. Der Bund möchte für sich eine Kreditspritze – noch in diesem Jahr eine Milliarde Mark vom Geldmarkt. 1967 dürfte er an Krediten nehmen, wo er sie nur immer bekommen kann. Hinter dem Bund strecken Länder und Gemeinden ihre Hände aus.

Die Wirtschaft kann leicht leer ausgehen, wenn vor einer Kursschwenkung Blessings der Krankheitszustand der Bundesfinanzen nicht endlich aufgedeckt und geeignete Mittel – nicht Kreditspritzen – zu seiner Heilung verschrieben werden. Das Bonner Rumpfkabinett erscheint dazu ebenso ungeeignet wie für die gewiß nützliche Aufgabe, die Tarifpartner zu einer konjunkturgerechten Lohnpolitik zu bewegen. Der jüngste Pumpversuch Bonns sollte als Warnung dienen: wenn wir nicht aufpassen, bekommen es einige Politiker fertig, an Stelle des wünschenswerten Konjunkturaufschwungs nur eine Inflationswelle auszulösen. sm.