Von Rolf Buchholz

In der Wirtschaft der Bundesrepublik weht seit einiger Zeit ein rauher Wind. Der Wettbewerb ist härter geworden und die Zahl der Betriebe und Unternehmen wächst, die sich gezwungen sehen, auch ihre Personalpolitik den veränderten Bedingungen des Marktes anzupassen. Ist das "Betriebsklima" in Gefahr, in eine Schlechtwetterzone zu geraten? Dazu äußert sich Rolf Buchholz, Generalbevollmächtigter der Standard Elektrik Lorenz AG aus der Sicht des Praktikers.

Muß der Klimawechsel in der Wirtschaft unausweislich einen Wechsel des Betriebsklimas zur Folge haben? So lautet die Frage, die immer häufiger drohend oder mahnend gestellt wird und hinter der spürbar die Angst steht, wir könnten sozialpolitisch gerade Gewonnenes leichtfertig aufs Spiel setzen.

Zunächst einmal: Ob unser Betriebsklima zur Zeit gut ist, in den einzelnen Unternehmen und über die gesamte Wirtschaft gesehen, ist eine gar nicht so einfach zu beantwortende Frage. Denn es fehlen uns bisher einfach die Bewährungsproben, mit denen gemessen werden könnte. Solange Löhne und freiwillige Sozialleistungen in bestimmten Zeitabständen fast programmgemäß steigen, solange das Unternehmen wächst und gedeiht und vor allem: solange es praktisch der Arbeitnehmer in der Hand hat, einen großen Teil seiner Arbeitsbedingungen und seinen Austritt aus dem Betrieb zu bestimmen, gibt es für das Betriebsklima keine großen Gefahren.

Jetzt, da sich dieser Trend ändert, beginnt die eigentliche Probe. Wer da schon von Krise redet, übersieht eben, daß freie Marktwirtschaft ohne Leistungsprinzip nicht denkbar ist, und der rauhe Wind, der dabei aufkommt, ist wirtschaftlich und auch sozialpolitisch durchaus gesund. Denn wir können davon ausgehen, daß alle unsere Mitarbeiter, von den rühmlichen Ausnahmen abgesehen, das Leistungsprinzip bejahen, vorausgesetzt, daß es menschlich und vernünftig gehandhabt wird. Deshalb sollte sich auch kein Unternehmen scheuen, Leistung zur Basis seiner Personal- und Sozialpolitik zu machen; es muß nur ständig nach Wegen suchen, Leistungsbereitschaft bei allen zu wecken und die erbrachte Leistung mit allen dem modernen Betrieb zur Verfügung stehenden Mitteln anzuerkennen. So praktiziert, bringt die Forderung nach höherer Leistung keine Gefahr für unser Betriebsklima.

Aber wer von der großen Masse derer, von denen die Betriebe ab sofort größere Anstrengungen verlangen müssen, kennt schon die Zusammenhänge zwischen freier Marktwirtschaft und unserer Wettbewerbssituation? Die meisten sehen nicht ein, warum es nicht so weitergehen kann wie bisher. Sie wissen nicht, oder sie wissen nur ungenügend, was sich seit einiger Zeit geändert hat.

Wenn wir mehr fordern, so kann Bereitschaft für das Mehr nur vorausgesetzt werden, wenn das Warum vorab erläutert worden ist. Nur mit einer solchen dauernden und umfassenden Information werden wir sozialpolitische Gesundheitsschäden vermeiden. Wo immer höhere Anforderungen gestellt werden, muß gesagt werden, warum denn überhaupt und gerade jetzt. Die Unternehmen und alle sonst noch zu entsprechender Aufklärung verpflichteten Institutionen sollten hier mehr tun als bisher. Der stereotype, meist sehr pauschalierte Dank an die Belegschaft in den meisten Geschäftsbereichen reicht da nicht mehr aus. Sicher ließe sich im Rahmen einer "sozialpolitischen Bilanz" der Leistungsstand des Unternehmens mit allen positiven und negativen Konsequenzen darstellen. Der Wirtschaftsausschuß ist ein anderes noch viel zu wenig genutztes Mittel für die Unternehmensleitung, um darzulegen, was erreicht wurde und was noch zu tun bleibt.