Der Bayerische Rundfunk führte am Sonntagabend, als das Endergebnis der Landtagswahl noch nicht feststand, ein Telephongespräch mit dem CSU-Vorsitzenden Strauß, der sich in einer niederbayerischen Wirtschaft von einer Hasenjagd erholte:

Frage: Wie war die Jagd?

Strauß: Die Jagd hat stattgefunden bei stark nebligem Wetter, einem sehr nassen Gelände, aber ich habe diese Stunden hier zumal benutzt, um mich etwas zu erholen, nachdem ich Wochen nur rauchige Versammlungslokale, wenig Schlaf und viel Hetze erlebt habe.

Frage: Ja, in Nebel und Rauch sind auch einige Resultate. Wenn man aber den letzten Computermeldungen, den sogenannten Hochrechnungen, vertrauen darf, dann hat die CSU mit 47,8 Prozent einen kleinen Stimmenzuwachs bekommen von 0,3, die SPD mit 36,4 einen etwas stärkeren von 1,2 Prozent, während FDP und Bayernpartei ausgeschieden sind. Die Nationaldemokratische Partei scheint in Bayern die dritte Partei und damit parlamentarisch salonfähig geworden zu sein. Am letzten Montag hat der Generalsekretär der Christlich-Sozialen Union, Herr Rechtsanwalt Jaumann, im Bayerischen Rundfunk erklärt, wie auch immer das Resultat ausfiele, eine Koalition mit der NPD käme nicht in Frage. Ist das auch der Standpunkt des Landesvorsitzenden Franz Josef Strauß?

Strauß: Der Generalsekretär hat hier zunächst seine persönliche Meinung gesagt, die aber sicherlich der Haltung der überwiegenden Mehrheit der Partei entspricht. Ich möchte mich endgültig erst äußern, wenn das gesamte Wahlergebnis vorliegt. Bis jetzt habe ich allen Grund zur Annahme, daß die CSU die absolute Mehrheit der Sitze im bayerischen Landtag haben wird. Ich kann auch feststellen, daß der vor der Landtagswahl in Bayern prophezeite Erdrutsch zuungunsten der CSU nicht nur nicht eingetreten ist, sondern daß die CSU ihre Position behauptet und sogar noch etwas verbessert hat.

Frage: Das heißt also, diese Stärke der CSU würde es ermöglichen, die NPD in Distanz zu halten?

Strauß: Sie kennen meine Meinung, ich bin in meinem Leben niemals ein Anhänger des Nationalismus gewesen, ich habe ihn im Gegenteil immer als den Totengräber Europas gehalten. Aber was wir heute an Reaktion in der Öffentlichkeit zugunsten der NPD erleben, das ist die Antwort auf die jahrelange Verhöhnung und Verspottung der Bundesrepublik, die Antwort auf die jahrelange Methode, alles, was deutsch ist und was national heißt, in den Dreck zu ziehen. Und wenn ich die Kommentare im Inland und Ausland in den letzten Wochen sehr sorgfältig verfolgt habe, dann sollte man eines daraus als Schlußfolgerung ziehen, daß man endlich wieder einmal die Deutschen als normale Nation behandeln muß, damit nicht die guten Kräfte des nationalen Selbstbewußtseins den Falschen zugute kommen.