Der israelische Vergeltungsschlag gegen Jordanien, der eigentlich Syrien galt, hat unerwartete Folgen gezeitigt, die weder den Israelis noch ihren amerikanischen Freunden behagen.

Westlich des Jordan, wo Zehntausende von Palästina-Flüchtlingen in bitterer Armut leben, brachen gefährliche Unruhen aus. Agitatoren wiegelten die Bevölkerung gegen die jordanische Regierung auf, die angeblich nicht hart genug gegen die Israelis auftrete. Breitet sich der Aufruhr aus, könnte Husseins Thron ins Wanken geraten.

Das kleine Reich des kleinen Königs war in den letzten Jahren eine der wenigen Stützen einer stabilen Ordnung im Mittleren Osten. In Washington befürchtet man, die Regierung in Amman werde nun gezwungen sein, mehr für die Rüstung als für die wirtschaftliche Entwicklung aufzubringen.

Die jordanische Regierung richtete nach dem israelischen Angriff Hilferufe an die USA und an das Vereinigte Arabische Oberkommando. Baldmöglich sollen die Amerikaner die bereits bestellten Starfighter liefern. Schutz gegen Luftangriffe benötigt das Land am dringendsten.

Die Jordanier waren tief enttäuscht, daß ihnen weder die Flugzeuge Ägyptens zu Hilfe eilten noch die so wortgewaltigen Syrer eine zweite Front eröffneten. Wie so oft in der Vergangenheit, war der tapfere König Hussein auf seine eigene Kraft angewiesen.

Im übrigen wollen die Jordanier den Kleinkrieg der arabischen Extremisten gegen Israel nicht länger fördern. Im Gegenteil will Amman neue Infiltrationen nach Israel verhindern. Premierminister Wasfi Al Tal über die Guerillas: "Ihre Konzeption ist kindisch und beruht auf einer oberflächlichen Lektüre von Mao, Giap und Che Guevara."