Superzinsen in Berlin – Seite 1

Wie zu erwarten war, werden am Berlinhilfegesetz (BHG 1964) trotz der Finanznot des Bundes keine Abstriche gemacht werden. Es ist zu erwarten, daß nach der wahrscheinlichen Einschränkung der staatlichen Sparförderung die in Berlin bestehenden Möglichkeiten zum Steuersparen künftig mehr als bisher ausgenutzt werden. In der ZEIT Nr. 43 (vom 21.10.1966) haben wir uns, meine verehrten Leser, mit den Vor- und Nachteilen der sogenannten Berliner Investitionskredite auseinandergesetzt. Heute werden wir uns mit der Hingabe von Darlehen an Bauherren in Berlin oder an die Wohnu ngsbau-Kreditanstalt Berlin befassen.

Sie werden sich vielleicht erinnern, meine vermehrten Leser, daß ich Ihnen im Oktober sagte, daß im Berlinhilfegesetz zwei Möglichkeiten vorgesehen sind, durch die Hingabe von Geld nach Berlin kräftig an Steuern zu sparen:

1. Investitionskredite an die Berliner Wirtschaft, die üblicherweise über die Berliner Industriebank AG oder die Deutsche Industriebank als Sammelstellen geleitet werden. Dort werden die Darlehen mit 6 Prozent verzinst, mittlere Laufzeit 4 1/2 Jahre. 10 Prozent des hingegebenen Darlehens kann der Steuerpflichtige von seiner Steuerschuld absetzen. Die steuerfreien Renditen dieser Darlehen liegen – je nach Steuerprogression – zwischen 5,82 und etwas über 7 Prozent

2. Darlehen für den Berliner Wohnungsbau, die – falls der Darlehensgeber nicht direkten Kontakt mit Berliner Bauherren aufnimmt – über die Wohnungsbau-Kreditanstalt Berlin geleitet werden. Wohnungsbau-Darlehen kürzen die Einkommen-(bzw. Lohn-)steuerschuld des Darlehensgebers sogar um 20 Prozent des hingegebenen Darlehens. Über die weiteren Konditionen soll nachfolgend ausführlich gesprochen werden.

Behandelt werden hier die Darlehen, wie sie von der Wohnungsbau-Kreditanstalt entgegengenommen werden. Unter Berücksichtigung der derzeitigen Kapitalmarktlage nimmt das Institut die Darlehen zu einem Zinssatz von 7,5 Prozent bei einer Auszahlung von 95 Prozent auf. Das heißt, daß man 950 Mark hingibt, dafür eine Darlehensforderung von 1000 Mark erhält. Auf 1000 Mark werden Zinsen und Tilgung berechnet. Das gilt für die gesamte Laufzeit.

Die Normallaufzeit der Darlehen beträgt bei der Wohnungsbau-Kreditanstalt längstens 26 Jahre. Wenn der Darlehensgeber vorzeitig kündigt, geht er der erlangten Steuervorteile verlustig. Das Institut selber kann das Darlehen schon nach 10 Jahren kündigen. Dann bleiben die Vergünstigungen für den Steuerpflichtigen im vollen Umfang erhalten. Vermutlich wird das Institut die Darlehen dann vorzeitig kündigen, wenn es sich in zehn Jahren billiger als heute refinanzieren kann. Doch wer will wissen, wie in einem Jahrzehnt der Kapitalmarkt bei uns aussieht? Festzuhalten bleibt, daß der Zinssatz von 7,5 Prozent für mindestens 10 Jahre gesichert. ist. Übrigens: Die untere Grenze des Darlehens sollte 1000 Mark nicht unterschreiten. Sonst lohnt sich der Verwaltungsaufwand nicht, der von dem Berliner Institut allein getragen wird.

Der Darlehensgeber hat bei der Vergabe des Geldes zwei Möglichkeiten. Er kann zwischen dem Tilgungsdarlehen oder dem sogenannten Abzahlungsdarlehen wählen. Beim Tilgungsdarlehen werden nach einem Freijahr beginnend jeweils 1,5 Prozent des Ursprungskapitals jährlich unter Zuwachs der durch die fortschreitende Tilgung ersparten Zinsen zurückgezahlt. Es kommen also jährlich 9 Prozent aus Berlin zurück, wobei sich infolge der laufenden Tilgung der Zinsanteil verringert und der Tilgungsanteil entsprechend erhöht.

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Bei den Abzahlungsdarlehen wird die Tilgung in Höhe von 4 Prozent des Ursprungskapitals jährlich vorgenommen. Zunächst kommen also 11,5 Prozent aus Berlin zurück. Da aber Jahr für Jahr weniger Geld zu verzinsen ist, nimmt der absolute Zinsertrag ständig ab. In beiden Fällen beträgt die Laufzeit der Darlehen längstens 26 Jahre.

Welcher Darlehensart ist nun der Vorzug zu geben? Der Vorteil des Tilgungsdarlehens liegt darin, daß auf die gesamte Laufzeit der Zinsertrag höher ist als beim Abzahlungsdarlehen. Dafür ist beim letzteren das finanzielle Engagement von kürzerer Dauer, weil man das ursprünglich eingezahlte Geld rascher zurück hat. Das scheint mir im Falle Berlin nicht nur eine Frage der persönlichen Disposition zu sein, daneben spielt hier auch die Bewertung des sogenannten Berlin-Risikos eine Rolle, dessen Beurteilung jedem einzelnen überlassen bleiben muß. Aber da wir gerade bei den Risiken sind, noch ein Wort zur Wohnungsbau-Kreditanstalt Berlin. Sie ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts. Gewährträger ist die Stadt Berlin. Damit ist wohl nach menschlichem Ermessen die "Gewähr" gegeben, daß die aufgenommenen Darlehen auch vertragsgemäß verzinst und getilgt werden. Übrigens werden die Zinsen halbjährlich gezahlt. Man macht also die Unart einiger Emittenten, nur einmal im Jahr die Zinsen auszuzahlen, um ein wenig Zinsertrag auf Kosten der Geldgeber herauszuschinden, nicht mit.

Nun zu einem praktischen Beispiel: Mit einer Zahlung von 950 Mark erwirbt – wie schon eingangs ausgeführt – der Geldgeber eine Darlehensforderung an das Berliner Institut von 1000 Mark, außerdem einen Steuerrückerstattungsanspruch an sein Finanzamt von 190 Mark, allerdings nur unter der Voraussetzung, daß der Darlehensgeber ohne die Ermäßigung ehe Einkommen- oder Lohnsteuer von mindestens 380 Mark zu zahlen hätte. Das ist natürlich bei einem so niedrigen Betrag stets der Fall. Anders bei höheren Summen. Die Ermäßigung der Einkommen(Lohn)steuer oder Körperschaftsteuer darf 50 Prozent der Einkommen- oder Körperschaftsteuer nicht überschreiten, die sich ohne die Ermäßigung ergeben würde.

Nach unserem Beispiel macht das finanzielle Engagement in Berlin also nur 760 Mark aus, dafür bekommt man eine Darlehensforderung von 1000 Mark, die mit 7,5 Prozent verzinst wird. Oder anders ausgedrückt: Man gewährt ein Darlehen mit einem Zinssatz von 7,5 Prozent bei einem Auszahlungskurs von 76 Prozent. Anerkannte Zinstabellen weisen bei diesen Bedingungen einen Effektivzins von fast 12 Prozent aus. Die laufende Verzinsung liegt bei nahe 10 Prozent. Sie unterliegt natürlich der Einkommensteuer, soweit Nebeneinkünfte nicht die Freibeträge überschreiten.

Ihr Securius