Von Hellmuth Karasek

Zu Beginn der "Messingkauf"-Aufführung des Berliner Ensembles wird ein typischer Theaterschluß des guten, alten Theaters persifliert. Man hat den "Hamlet" gegeben, Beifall brandet auf, die Akteure treten, ihn huldvoll entgegennehmend, vor den Vorhang: Sie spielen für den Applaus noch weiter, was man von ihnen erwartet, geben sich also noch ganz in Trance; der Ophelia trifft noch Wasser und Wahnsinn aus ihrer scheuen Verbeugung, Hamlet selbst tritt nur halb an die Rampe, noch immer maskiert er sich mit Abweisung, noch immer ist ihm alles schal und ekel, und trotzdem kann nun in der halb entrückten, halb abweisenden Geste seine ganze Mimen-Eitelkeit spüren.

An diese Szene fühlt man sich erinnert, wenn man jetzt drei Theaterbücher zu Gesicht bekommt, die alle den Blick hinter die Kulissen, das Theater von innen, den Einblick in die Werkstatt des Theaters versprechen. Zwei der Bücher –

Gert Richter: "Bühne frei, Vorhang auf" – Blick in die Werkstatt des Theaters; C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh; 136 S., 19,80 DM

"Theater bei Tageslicht", herausgegeben von Heinz Beckmann; Jakob Hegner Verlag, Köln/Olten; 210 S., 14,80 DM

– scheinen die Parodie des Berliner Ensembles geradezu zu imitieren. Denn während sie dem Leser versprechen, daß sie die "Magie" dort betrachten und untersuchen wollen, wo sie hergestellt wird, also bei "Tageslicht" oder "in der Werkstatt", sind sie im Grunde nichts anderes als der Versuch, dem Leser einzureden, es walte auch bei Tageslicht im Theater jene Trance vor, die den Künstler ein für allemal vom Normalsterblichen trennt.

Natürlich reden auch die beiden Bücher von "Theaterkrise", aber indem sie, meist zwischen den Zeilen, betrübt konstatieren, daß sich die gewünschte Euphorie beim Publikum nicht so recht einstellen will, versuchen sie mit euphorischer Berufs- und Theaterbegeisterung wenigstens den Eindruck zu erwecken, es liege nicht an den armen Theaterleuten.