Man weiß nicht, was man mehr bewundern soll: den Fleiß, mit dem der Verfasser des Buches "Die wahren Freuden aller Zeiten" (Econ-Verlag, Düsseldorf und Wien) sein schier unendlich dünkendes Material für seine neueste Veröffentlichung zusammengetragen hat oder die bezaubernde Anmut, mit der er den Leser in die Freizeitgestaltung vieler Jahrhunderte führt. Walter Umminger, der uns vor Jahren schon mit seiner Kulturgeschichte menschlicher Höchstleistungen, der er den Titel "Helden-, Götter- und Übermenschen" gab, freudig überraschte, schenkt uns nun ein zweites gleich belehrendes und unterhaltsames Buch, in dem er uns von dem spielenden Menschen und dem Problem der Freizeitgestaltung in der modernen Gesellschaft erzählt. Friedrich Nietzsche hat einmal von seinen Zeitgenossen gesagt: "Sie erkämpfen durch ein Übermaß an Anstrengung sich freie Zeit und wissen nachher nichts mit ihr anzufangen, als die Stunden abzuzählen, bis sie abgelaufen sind." Dies gilt heute noch viel mehr. Es hieße ja einfach die Wahrheit verleugnen, wollte man nicht zugeben, daß Ungezählte mit dem nun auch bei uns eingeführten freien Wochenende so gut wie nichts anzufangen wissen und die Freizeit, die man ihnen zur Erholung und Ablenkung von den aufreibenden Pflichten der Arbeitstage geschenkt hat, kurzerhand zur Schwarzarbeit verwenden, um noch mehr Geld in die häusliche Kasse strömen zu lassen. Damit verliert natürlich die Freizeit völlig ihren Sinn. Aber wer will und kann schon etwas gegen die Unvernunft der Menschen ausrichten?

Dennoch gibt es natürlich Ungezählte, die sehr wohl schlagartig "abschalten" können und ihre Mußestunden großartig zu nutzen und, was die Hauptsache ist, auch zu genießen verstehen. Der eine sammelt Briefmarken oder betätigt sich als Sonntagsmaler, der andere züchtet Tauben und läßt sie in allerlei Wettbewerben starten, diese steht als jugendliche Naive auf einer Liebhaberbühne, jene bastelt Spielzeug für ihre Kleinen, und "er" und "sie" gehören vielleicht einer Skatrunde an, wenn sie sich nicht sogar dem Glücksspiel widmen. Weit spannt sich der Bogen vom Sammler über den Spieler, den Bastler, den Spaßmacher bis zum Genießer. Ja, auch das gehört zu einer sinnvollen Gestaltung der Freizeit. Was Umminger uns in seinem Kapitel "Festliche Stunden" dazu zu sagen hat, ist mit das Netteste in seinem neuen Buche.

Die "Freizeit" ist nicht erst eine Erfindung der neueren Zeit. Sie ist uralt. Der Verfasser beweist uns an einer erstaunlich großen Auswahl von Beispielen, welche unerschöpfliche Fülle von Ideen im Laufe der Jahrhunderte von Menschen entwickelt wurden, die ihre arbeitsfreie Zeit vergnüglich zu nutzen verstanden. Dem Steckenpferd (Hobby, pflegt man – leider – heutzutage bei uns dazu zu sagen) des altchinesischen Kaisers Hi-Tsung verdanken wir eine der herrlichsten und wertvollsten Bronzesammlungen aller Zeiten, dem Glasbläser und Spiegelmacher Johannes Gutenberg die Buchdruckerkunst, die er in seinen Mußestunden erfand, der rumänischen Königin Elisabeth, einer deutsch geborenen Prinzessin von Wied, die unter dem Namen Carmen Sylva als Schriftstellerin in die Literaturgeschichte eingegangen ist, die erste geräuschfreie Schreibmaschine, und dem badischen Forstmeister, Freiherrn Drais v. Sauerbronn, die Draisine, ein Laufrad, das der Vorläufer unseres Fahrrades ist.

Damit sind wir beim Sport. Daß er auch zur Freizeitgestaltung gehört, wird kein vernünftiger Mensch bestreiten, wurde er doch gerade dazu im vorigen Jahrhundert in England "erfunden" und begründet, auch wenn es ihn seit uralten Tagen schon gegeben hatte. Man darf sich nicht durch das hektische Getriebe, das allüberall auf unseren Kampfbahnen, Fußballfeldern, Gymnastikhallen und was weiß ich, wo sonst noch herrscht, täuschen lassen. Es gibt wirklich noch Menschen, die in den Leibesübungen mehr sehen als nur das Jagen nach immer neuen Höchstleistungen und Siegen, die tatsächlich nur turnen, laufen, springen, schwimmen, und selbst Fußball spielen aus reiner Liebe zur und Freude an der Sache. Nur um sich zu erholen und in ihren Mußestunden neue Kraft zu gewinnen für ihre Arbeit, die schließlich noch immer das Wichtigste ist im Leben. Auch das Wandern gehört dazu. Das Reisen schon nicht mehr, das früher einmal regelrecht kultiviert wurde, heutzutage aber doch meist nichts weiter ist als ein Nerven raubendes Herumrasen, das mehr schädlich als nützlich ist.

So etwas tun die anderen Steckenpferd-Reiter natürlich nicht. Sie führen ein ruhiges und beschauliches Leben mit ihren Kanarienvögeln, den Zier fischen in den kleinen Aquarien. Drei Millionen Hunde, fast ebenso viele Katzen und eine Million Goldhamster sind laut amtlichen Erhebungen weitere Freizeitgespielen der Deutschen. Wer an der Beschäftigung mit Tieren kein Vergnügen hat, der beschäftigt sich mit der Magie, spezialisiert sich als Deuter von Logogriphen, Wort-Witzspielen eigener Art, die schon die alten Perser begeisterten. Und wer nun gar nichts nach seinem Geschmack findet, der pocht auf sein Recht auf Faulheit. Jawohl, auch das süße Nichtstun gehört mit zu einer sinnvollen Freizeitgestaltung, und Umminger weiß davon nicht nur sehr amüsant, sondern auch lehrreich zu plaudern. Wer also in den kommenden Fest- und Feiertagen mit ihrer Ruhe im eigenen Heime eine wahre Muße genießen will, der greift getrost zu diesem Geschichtswerk und Leitfaden der Freizeitgestaltung, er wird viel Vergnügen an dieser Lektüre haben.

Diesmal Rod Laver

Und schon wieder ein Lehrbuch über das Tennisspiel. Diesmal verrät ans der Australier Rod Laver in seiner Veröffentlichung "Gewinnen im Tennis" (Moderne Verlage GmbH, München) die Geheimnisse seiner Erfolge, die im Jahre 1962 mit dem "Grand Slam", das heißt, mit dem Gewinn der Herren-Einzel-Meisterschaften von Australien (Melbourne), Frankreich (Paris), Großbritannien (Wimbledon) und Amerika (Forest Hills) ihre Krönung fanden. Dieser große Schlag war zuvor nur dem Amerikaner Donald Budge gelungen, der deshalb wohl auch das Vorwort zu dem neuen Buch schrieb. Jetzt ist Laver auch der "König der Tennisprofis", welcher Titelgewinn ihm neben vielem anderen auch die runde Summe von 80 000 Mark einbrachte. Man sieht, es lohnt sich, Tennisspielen zu einem Beruf zu machen. Nun konnte er auch seinen Schwur erfüllen: "Erst wenn ich auf dem Thron sitze, heirate ich." Er tat es in diesem Frühherbst. Daneben fand er aber auch noch die Zeit, uns nicht nur von seinen vielen Kämpfen und Siegen in aller Welt zu erzählen, sondern uns auch einen Leitfaden darüber zu schreiben, wie man richtig mit den Bällen und mit den Schlägern umgeht, wie man einen Lob, Chop, Drall, Dink oder Flugballstopp ansetzt und ausführt, wie man die Schwächen seines Gegners erkennt und zu nutzen hat, welches Körpertraining richtig ist und wie man sich vor dem Dickwerden schützt, was gewiß auch für Nichttennisspieler von Interesse und Wichtigkeit sein dürfte. Bei solchen Erfolgen, wie sie Rod Laver auf seiner Rekordliste verzeichnen kann, kann man sich nicht wundern, wenn er seinen literarischen Tennislehrgang mit den lapidaren Sätzen schließt: "Meine Methoden sind richtig. Sie haben mich hinter dem Hause einer Provinzstadt in Queensland hervorgeholt, zum Grand Slam geführt und in Kämpfe gestellt, von welchen jede Minute 15 Pfund wert ist." Ein offenherziges Bekenntnis, das ein rechtes Licht auf das Profitennis wirft. Das Buch schließt mit dem Satz: "Die Methoden verdienen, empfohlen zu werden." Wir wollen dem nicht widersprechen.