Daß dies der Anfang vom Ende war, hat der 55jährige nicht im entferntesten geahnt. Heimkehrend von einem längeren Aufenthalt auf dem Lande, bei kaltem, regnerischem Herbstwetter auf einem offenen Milchwagen, schien er sich lediglich heftig erkältet zu haben. Da er Krankheiten nie viel Beachtung schenkte, war ein Arzt erst herbeigerufen worden, als es schon ziemlich schlimm geworden war. Der Arzt berichtete später, wie er ihn angetroffen hatte. "Mit den bedenklichsten Symptomen einer Lungenentzündung behaftet; sein Gesicht glühte, er spuckte Blut, die Respiration drohte mit Erstickungsgefahr, und der schmerzliche Seitenstich gestattete nur eine quälende Rückenlage ..."

Es gelang, dem Kranken Linderung zu verschaffen, ja ihn – so schien es jedenfalls – auf den Weg der Heilung zu bringen: "Am siebenten Tage fühlte er sich so erträglich wohl, daß er aufstehen, herumgehen, lesen und schreiben konnte." Aber schon am nächsten Tag bot sich dem Arzt ein ganz anderes Bild.

Er fand seinen Patienten "verstört, am ganzen Körper gelbsüchtig; ein schreckbarer Brechdurchfall drohte ihn die verflossene Nacht zu töten ... Zitternd und bebend krümmte er sich vor Schmerzen, die in der Leber und den Gedärmen wüteten, und seine bisher nur mäßig aufgedunsenen Füße waren mächtig geschwollen. Von diesem Zeitpunkt an entwickelte sich die Wassersucht; die Aussonderung wurde sparsamer, die Leber bot deutliche Spuren von harten Knoten, die Gelbsucht stieg ..."

Die Krankheit, so berichtete der Arzt, "rückte mit Riesenschritten vorwärts."

Jahrzehnte später ist jenem Arzt vorgeworfen worden, die Krankheit zu spät erkannt zu haben; "als ein Opfer der abscheulichsten Niederträchtigkeit und Unwissenheit" sei der Patient "wenigstens zehn Jahre zu früh ins Grab gegangen". Heute gilt es als sicher, daß die eigentliche Krankheit eine Leberzirrhose war.

Obwohl die Krankheit ihn fest ans Bett fesselte und ihn immer wieder schwächte, war er selber voller Hoffnung, bald wieder gesund zu sein. Zum besten hatte es mit seiner Gesundheit schließlich nie gestanden. Seit seiner Jugend litt er an heftigen, immer wiederkehrenden Magen-Darm-Katarrhen. Und noch bevor er dreißig Jahre alt war, traf ihn eine unheilbare Krankheit, ein Schicksalsschlag, der das Ende seiner Laufbahn hätte bringen können, den er aber überwand – mit dem "Mut, auch bei allen Schwächen des Körpers den Geist herrschen zu lassen".

Was ihn jetzt besonders zu stören schien, war die ihm empfohlene Diät. "Kein Wein, kein Kaffee", hatte der Arzt ihm gesagt. Er hatte immer eine Vorliebe für gute Mahlzeiten gehabt, besonders für Delikatessen, trank gern Wein und sehr starken Kaffee – auf die Tasse kamen (er zählte das genau ab) sechzig Bohnen.