Uns überrascht es, daß heute alles akzeptiert und nicht mehr kritisiert wird. Offensichtlich haben wir da etwas nicht nur falsch gesehen und falsch beurteilt, sondern kaufmännisch etwas falsch gemacht?"

Soll das heißen, daß das Touristengeschäft nun härter, das Angebot immer mehr vereinfacht, der Mensch als eine Pracht angesehen wird, die hierhin und dorthin verschoben wird?

In dem vom eigenen Unternehmer zum 65. Geburtstag des Seniorchefs Wilhelm Scharnow verbreiteten Gratulationsartikel hieß es: "Er ist zwar ein Kaufmann, aber von der Art, die dienen und nicht nur verdienen will." Hanns Albrecht Seiffert scheut falsche Töne und Ideologie. Er ist "zunächst einmal" Kaufmann, und die Summe unter dem Strich muß stimmen. "Aber nicht der Augenblickserfolg zählt, sondern der organische Aufbau. Das sind Binsenwahrheiten. Dazu gehört, daß man sich mit dem Thema seines Tuns beschäftigt, mit dem was dahinter steht. Es steht nun die Frage im Raum: Sollen wir umschwenken und wieder praktizieren, was wir längst abgestellt haben? Haben wir dem Urlauber zuviel zugetraut, war es falsch zu glauben, er sei viel individueller? Die Frage ist noch nicht beantwortet. Die Bewährungsprobe der Versandhäuser ist noch nicht lang genug. Sie haben ja offen zugegeben, daß sie sich am Anfang sogar mit roten Zahlen abgefunden haben, um überhaupt erst einmal hineinzukommen ins Geschäft und mit diesem neuen Zweig ihr altes Geschäft zu beleben. Doch meine ich, die Auffassungen werden sich auf die Dauer angleichen wie Kapitalismus und Kommunismus."

Zum organischen Aufbau gehört es, daß der Ertrag reicht, neue Ideen zu verwirklichen: Investitionen, für Erkundungen, Forschungen, Versuche. Eine Idee, die offen dalag, aber nicht von den Kaufleuten im Haus, sondern von dem Public-Relations-Mann, der ein vorzüglicher Rechner ist, in das Programm lanciert wurde, eine sichere Sache übrigens, ist der "Pensionswinter" in Mallorca (Flugreise für zwei oder drei Monate). Das billige Angebot hat einen solchen Erfolg, daß zum erstenmal Flugketten auf diese Insel in den Winter hineinfliegen mit Pensionären und Jugendlichen, die Sprachen lernen wollen.

Manche Experimente schlugen nicht ein: Zum Beispiel der als Goldene Reihe lancierte Ferntourismus. Dieses Reiseprogramm an die fernsten Enden der Erde wurde wieder eingeschränkt. Die meisten Scharnow-Reisenden wählen noch immer die Bahn und fahren in den Ferien nach Österreich. Vierzehn von hundert Scharnow-Gästen benutzen für die Anfahrt das eigene Auto.

Auch die Absicht, Hotels in eigener Regie zu führen, wurde aufgegeben. Landflächen im Ausland, die schon gekauft waren, werden wieder "abgestoßen". "Man kann das nicht mit der linken Hand machen, besonders in den Entwick-