Von Robert Lucas

Wie eine gütige Fee, sich über die Wiege des Neugeborenen beugend, lächelte Agatha Christi, Königin der Krimis, den Impresario Peter Saunders an und reichte ihm über den Restauranttisch hinweg ein Päckchen. „Ein kleines Geschenk für Sie“, sagte sie (vermutlich die stereotype Redewendung, die Feen bei solchen Gelegenheiten gebrauchen).

Das Paket enthielt das Manuskript eines zweiaktigen Stücks mit dem Titel „The Mousetrap“. Die Premiere der „Mausefalle“ fand am 25. November 1952 im Ambassadors Theatre im Londoner Westend statt.

„Was meinst du?“ fragte Frau Saunders ihren Gatten, als sie nachher nach Hause fuhren.

„Ich gebe dem Stück vier Monate“, sagte er und fügte, durch die Windschutzscheibe in den Regen starrend, mit tollkühnem Optimismus hinzu: „Wenn es gut geht, sechs Monate.“ Das Stück läuft noch immer. Um es ganz unmißverständlich auszudrücken: Es wird noch immer jeden Abend – die Sonntage ausgenommen – und an zwei Nachmittagen jeder Woche im selben Theater aufgeführt. Vor einigen Tagen wurde der 15. Jahrestag der Premiere mit einigen Drinks hinter der Bühne gefeiert. Es war die 5814. Vorstellung. „The Mousetrap“ hat alle Rivalen in London („Salad Days“ und „Chu-Chin-Chow“) und in New York („Life With Father“ und „Tobacco Road“) längst geschlagen.

„Demnach ein Weltrekord, nicht wahr?“ frage ich Peter Saunders.

„Nun ja – wie man es nimmt“, antwortet er und deutet durch eine leichte Stimm-Modulation die bedauerliche Tatsache an, daß die Rekordtabelle einen Schönheitsfehler aufweist. „Da gab es natürlich ‚The Drunkard‘ (Der Säufer). Aber dieses Stück lief gar nicht in einem richtigen Theater.“ Er blättert in einem Nachschlagewerk und informiert mich: „,The Drunkard‘, als dessen Autoren ‚W. H. Smith and a Gentleman zeichneten, wurde in einem Klub in Los Angeles vom Juli 1933 bis zum September 1953 en Suite aufgeführt. 7510 Vorstellungen.“