Von Alexander Rost

B. H. Liddell Hart: Lebenserinnerungen. Econ-Verlag, Düsseldorf; 496 Seiten, 13 Abbildungen. 25,– DM.

Sein Name ist längst zum Synonym für das Wort „Militär-Experte“ geworden; genauer gesagt: für „ziviler Militär-Experte“. Basil Henry Liddell Hart ist zwar nicht, wie enthusiasmierte Bewunderer behauptet haben, ein „Clausewitz des 20. Jahrhunderts“ (denn ihm mangelt weitgehend das philosophische Element); aber in seinen besten Büchern und Aufsätzen herrscht durchaus Clausewitzsche Gedankenschärfe. Und als Captain außer Diensten wurde er gleichsam zum Feldherrn in Filzhut und Trenchcoat.

Guderian, der Protagonist der deutschen Panzertruppe in den dreißiger Jahren, den Liddell Hart nicht unbegründet seinen Schüler nennt, bezeichnete ihn als „Schöpfer der Theorie der mechanisierten Kriegführung“. John F. Kennedy urteilte über spezielle Verdienste hinweg: „Kein Militär-Experte hat mehr Recht erworben, respektiert zu werden, als Liddell Hart.“ Und Montgomery, der als erster Brite erfolgreich mechanisierten Krieg führte, lobte ihn: Liddell Hart sei „Großbritanniens bedeutendster Militärschriftsteller der Gegenwart“. Doch in diesem Lob schwingt schon der Hochmut des uniformierten gegenüber dem zivilen Fachmann mit; „Schriftsteller“ klingt da wie eine Degradierung.

Logische Formel

Den Feldherrnhügel hat der Feldherr in Zivil nicht betreten dürfen. Er mußte am Fuße der militärischen Machtpyramide bleiben. Liddell Hart durfte kritisieren, kommentieren, interpretieren, propagieren; aber er konnte nie handeln. Er hat das Schicksal des Journalisten erlitten. Zuweilen stieß er selbstverständlich in Bereiche aktiver Politik vor. Auf der Genfer Abrüstungskonferenz 1932 war er als Privatmann ein durchaus offiziöser Vermittler. Und 1937 galt er neun Monate lang ausdrücklich als „Partner“ des reformfreudigen Kriegsministers Hore-Belisha. Dutzende von Politikern suchten seinen Rat; doch der Rat wurde meist nur im Vorfeld der Entscheidungen eingeholt und erreichte kaum den Rang einer aktuellen Entscheidungshilfe. Die Generale vollends zeigten ihm fast durchweg die Schulter.