Grundsatzprozeß um „Bild“-Berichte Wohlfahrt verlangt 200 000 Mark

Hamburg

Der Fall ist hinlänglich bekannt: Waldemar Wohlfahrt, Privatdetektiv und Playboy aus Stuttgart, geriet Anfang Juli dieses Jahres in den Verdacht, eine Frau ermordet zu haben. Das Amtsgericht Speyer erließ einen Haftbefehl gegen ihn, und zahlreiche Zeitungen berichteten, die Polizei verfolge Wohlfahrt als den Autobahn-Mörder“. Sein Bild wurde millionenfach vervielfältigt, sein Lebenswandel erforscht und vor der Leserschaft ausgebreitet. Wohlfahrt aber war nicht der gesuchte Mörder; der ist bis heute unbekannt.

Jetzt klagt der zu Unrecht Beschuldigte vor dem Landgericht Stuttgart gegen die größte deutsche Zeitung auf Schadenersatz: der Verlag der Bild-Zeitung, ihr Chefredakteur Peter Boenisch und acht ihrer Redakteure sollen ihm 200 000 Mark „Schmerzensgeld“ dafür zahlen, daß er in dem Blatt als Schwerverbrecher dargestellt wurde. Er beruft sich auf Urteile des Bundesgerichtshofes, wonach für die Verletzung der Ehre und des „allgemeinen Persönlichkeitsrechtes“ Schadenersatz in Geld geleistet werden muß. Auf Grund dieser Rechtsprechung, die in der rechtswissenschaftlichen Literatur scharf kritisiert worden ist, mußten schon viele Zeitungen zahlen. So wurde das im Verlag der „Welt“ erscheinende „Neue Blatt“ zur Zahlung von 15 000 Mark verurteilt, weil es ein Soraya-Interview gedruckt hatte, das zwar nichts Ehrenrühriges enthielt, aber frei erfunden war. (Gegen dieses Urteil hat der Verlag Verfassungsbeschwerde eingelegt.) Berühmt-berüchtigt ist auch der erste Fall dieser Entscheidungsserie: Jener „Herrenreiter“, der gegen seinen Willen auf einem Photo Reklame ritt für ein Stärkungsmittel, erhielt 10 000 Mark zugesprochen.

Waldemar Wohlfahrt mußte sehr viel Schlimmeres erdulden. „Bild“ brachte am 6. Juli die Schlagzeile: „Er ist der Autobahn-Mörder“, darunter riesengroß Wohlfahrts Konterfei. Freilich standen über der Schlagzeile die Worte „Polizei glaubt:“, aber in kleinerer Schrift.

Kennzeichen S-WE 569

Der Haftbefehl gegen Wohlfahrt war damit begründet worden, daß er verdächtig sei, die amerikanische Studentin Eleanor Friday getötet zu haben; aber nach der Darstellung der Bild-Zeitung hatten mehrere Kriminalbeamte ihn außerdem mit „mindestens“ zwei weiteren Morden in Verbindung gebracht. So schrieb „Bild“: „Der Autobahn-Mörder, der wahrscheinlich vier Mädchen umgebracht hat, scheint entlarvt zu sein. Die Polizei glaubt, daß es der 25jährige Waldemar Wohlfahrt aus Stuttgart-Weilimdorf, Kiebitzweg 9, ist. Der junge Mann gibt sich als ,Privatdetektiv‘ aus. Er wird von der Polizei im ganzen Bundesgebiet gesucht. Er ist mit seinem 28 000-Mark-Sportwagen, einem roten Mercedes 250 SE Cabriolet, unterwegs. Das Kennzeichen des Autos S – WE 569. Auf den Kopf des