Zum sechzehntenmal ist ein Antrag zur Aufnahme der Volksrepublik China in die Vereinten Nationen niedergestimmt worden.

In den letzten Jahren waren die ablehnenden Mehrheiten immer mehr zusammengeschrumpft. 1965 hielten sich Befürworter und Gegner der Zulassung Pekings zum erstenmal die Waage. Nur die Stimmenthaltung Tunesiens verhinderte, daß sich eine einfache Mehrheit für das kommunistische China aussprach.

In diesem Jahr konnte Peking jenen Erfolg nicht verbuchen: 57 UN-Staaten stimmten mit nein, 46 mit ja und 17 enthielten sich der Stimme. Das Stimmenverhältnis entsprach etwa dem Ergebnis von 1963 (57:41).

Der Unwille einiger afrikanischer Staaten über die chinesische Propaganda und wohl auch die Furcht vor der chinesischen Atombombe (ein fünfter Atomversuch wurde am Tage der Abstimmung angekündigt), vermehrten die Zahl der Gegner Pekings.

Chile, Island, Libyen, Ruanda und Saudi-Arabien, die sich noch im letzten Jahr der Stimme enthalten hatten, warfen jetzt ihr Nein in die Waagschale. Ebenfalls gegen Peking stimmten die Zentralafrikanische Republik und Sierra Leone (beide waren noch im Vorjahr für den Eintritt). Ihnen gesellten sich die neuen Mitglieder Guiana und Lesotho zu, desgleichen der Kongo und Dahome, die im Vorjahre der Abstimmung ferngeblieben waren.

An Fürsprechern gewann Peking lediglich den Senegal und Burundi dazu sowie Indonesien, das im letzten Jahr in der UN-Vollversammlung fehlte. Am wichtigsten für Peking war jedoch die Stimmenthaltung Kanadas, das bisher immer mit nein gestimmt hatte.

Während der zehntägigen UN-Debatte hatte Kanada einen Drei-Punkte-Plan vorgelegt, der folgendes vorsah: Die Volksrepublik China und das nationalchinesische Regime auf Formosa sollten beide in der UN-Vollversammlung vertreten sein, der ständige Platz Formosas im Weltsicherheitsrat jedoch künftig von Peking verwaltet werden. Selbst hinter diesem Vorschlag witterte Peking sofort ein amerikanisches Komplott.

Tatsächlich gab die ablehnende Haltung der USA – wie immer – den Ausschlag. Washington führte als neues Argument ins Feld, es könne nicht während der Spannungen zwischen Moskau und Peking seine Meinung ändern, ohne von Moskau mißverstanden zu werden.